Lebendig begraben in der Türkei: Jetzt meldet sich die Mutter des Opfers zu Wort

Zwei Jahre, nachdem die erst 16-jährige Medine Memi von ihrem eigenen Vater und Großvater lebendig begraben wurde, ist ihr Fall gesühnt. Die Täter bekamen lebenslänglich. Doch was ist mit ihrer Mutter? Jetzt, nachdem das Urteil gesprochen ist, wendet auch sie sich an die Öffentlichkeit.

Um ihrer Tochter, die durch die Hände ihrer eigenen Verwandten auf so grausame Weise ums Leben kam, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so İmmihan Memecik, habe sie einiges in Kauf nehmen müssen.

Tochter wollte auch Mutter aus der Ehehölle retten

In der bisherigen Berichterstattung, die nach Bekanntwerden des Mordfalls Anfang 2010 auch Deutschland erreichte, war ihr Name nicht in Erscheinung getreten. In einem Interview mit der türkischen Zeitung „Sabah“ fasste sich die geschundene Mutter nun ein Herz und sprach erstmals über das, was auch ihr in den vergangenen Jahren widerfahren ist. Denn nicht nur ihre kleine Tochter Medine war Opfer. Auch sie selbst litt massiv unter der rigorosen Herrschaft der Männer in ihrem Haus.

Eigentlich wollte Medine das Leid für sich und ihre Mutter beenden (ein einstiger türkischer Polizist behauptete kürzlich, die Frauen hätten selbst Schuld an der Gewalt – mehr hier). Vor ihrem Tod sprach sie gleich mehrmals bei der Polizei vor und bat die Beamten um Hilfe – vergebens. Die Misshandlungen, die sie und ihre Mutter ertragen mussten, gingen unvermindert weiter. Der Höhepunkt der Grausamkeiten dann Ende 2009: Der Familienrat beschloss Medine zu töten, weil sie in ihren Augen zu viel „unterwegs“ gewesen wäre. Mit auf dem Rücken verbundenen Armen verscharrten sie das Mädchen bei lebendigem Leib zwei Meter tief unter der Erde.

İmmihan Memecik wurde aus dem Haus getrieben

Für die Mutter, so berichtet diese nun selbst gegenüber der Zeitung, ging die Pein nach der furchtbaren Tat weiter. (erst Anfang März wurde im türkischen Parlament ein Gesetz zum Schutz der Frau verabschiedet – mehr hier) Ihr Schwiegervater, Fethi Memi, habe den Familienhaushalt mit eisener Faust geführt. „Der Zaun im Hinterhof unseres Hauses war wie die Mauer einer Festung“, erinnert sich die Frau an die schlimme Zeit in der Familie zurück. „Uns war es nicht gestattet das Anwesen ohne Erlaubnis zu verlassen. Mein Ehemann, der gleichzeitig ein entfernter Verwandter von mir ist, musste den Befehlen seines Vaters ebenfalls gehorchen.“ (er bat vor Gericht um Freispruch für sich selbst – mehr hier)

Den  Tod ihrer Tochter konnte İmmihan Memecik offenbar nicht verhindern. Sie konnte einzig dafür sorgen, dass die Tat nicht ungesühnt bleibt. Und so wurde sie selbst nach dem Mord aus dem Haus geworfen, weil sie während des Prozesses gegen ihren Ehemann und ihren Schwiegervater ausgesagt hatte. Dabei wurde auch sie von der Familie mit dem Tod bedroht, falls sie ihre verbliebenen Kinder nicht aufgeben würde. Während der Zeit vor Gericht habe sie alles Mögliche durchlebt und gefleht, man möge sie töten, wenn man ihr doch nur die Kinder lasse. Doch die Familie kannte keine Gnade: „Meine Kinder mussten mit ansehen, wie ich fortging. Sie haben ihnen schlimme Dinge über mich erzählt“, so die Frau, die heute allein in einem unmöblierten Haus in Kahta lebt.

Das lebenslängliche Urteil, das in der vergangenen Woche gegen ihren Ehemann und Schwiegervater durch das Hohe Strafgericht von Adıyaman ergangen ist, kommentiert sie wie folgt: „Ich hoffe, dass der türkische Staat die beiden niemals begnadigen wird.“

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