Gestohlene Kunst: Türkei will Artefakte aus den USA zurück

Die Türkei verlangt Kunstobjekte, die aus illegalen Ausgrabungen stammen sollen, zurück. In den USA wurden gleich mehrere Museen kontaktiert. Seit Jahren werden allerdings nur unvollständige Angaben gemacht. Nun droht die Türkei mit der Verweigerung von Leihobjekten, wenn das so weitergehen sollte.

Die Türkei stellte bei mehreren amerikanischen Museen einen Antrag auf die Rückführung von zahlreichen Artefakten, die in der Vergangenheit illegal aus dem Land geschmuggelt worden sein sollen. Wie die Los Angeles Times berichtet, habe die türkische Regierung das J. Paul Getty Museum, das Metropoliten Museum of Art in New York City, das Cleveland Museum of Art sowie das Dumbarton Oaks Research Library and Collection der Harvard Universität kontaktiert, um mehrere Kunstobjekte zurückzuerhalten.

Die Türkei ist der Ansicht, diese seien nach dem Gesetz von 1906, durch das offiziell festgelegt wurde, dass alle Artefakte, die sich auf türkischem Boden befinden, dem Staat gehören, ausgeführt wurden. Viele der Anfragen wurden schon vor Jahren gestellt, doch nun erhöht die Türkei den Druck, womöglich aufgrund der Erfolge, die Italien und Griechenland mit solch einem Vorgehen erzielt haben.

„Die Türkei will keinen Disput beginnen“, erklärte der Direktor für türkisches Kulturerbe und Museen, Murat Süslü. „Die Türkei versucht eine Zusammenarbeit zu entwickeln und wir hoffen, dass die Museen unseren Standpunkt verstehen“, so Süslü weiter (der Vatikan will dagegen eine antike Bibel in der Türkei prüfen lassen – mehr hier).

Regierung fördert neues Bewusstsein für Kultur

„Damit hat die Regierung neue Prioritäten gesetzt und sagt: ‚Kultur bedeutet uns etwas’“, sagt Christina Luke, eine Dozentin für Archäologie an der Boston University (Archäologen fanden kürzlich die ältesten Skelette der Türkei – mehr hier). Viele Jahre arbeitete sie in der Türkei und berichtet, die Regierung unternehme immer mehr im Bereich der Kultur. Den Kindern werde der Wert von kulturellem Erbe beigebracht, das sei eine ganz neue Kulturpolitik.

Die Türkei geht nun sehr entschieden vor und droht damit, geliehene Kunstobjekte wieder zurückzuziehen, wenn die Museen sich weigern, dem Antrag der Türkei nicht nachzukommen. Dem Metropolitan Museum of Art wurde bereits ein Leihstück verweigert, wie ein türkischer Regierungssprecher bestätigte. Außerdem seien Beweise für die Anschuldigungen der illegalen Ausfuhr nach 1906 vorgelegt worden.

Schwere Beweislast: Besitzurkunden der Artefakte nicht vorhanden oder unvollständig

Bei den meisten der von der Türkei zurückgeforderten Objekte handelt es sich offenbar um Artefakte, die von den Museen nach 1960 angekauft wurden. Zudem sollen diese gar keine oder nur unvollständige Besitzurkunden haben, was dafür spricht, dass sie aus unerlaubten Ausgrabungen stammen könnten.

Schon seit über 20 Jahren steht die Türkei mit dem Getty Museum in Kontakt und verlangt eine Prüfung von mehreren Objekten. Dafür hat das Land gute Gründe, zumal es sich bei einigen der Artefakten um solche handelt, die den Besitzurkunden nach zu urteilen von den Antiquitätenhändlern Elie Borowski und Nicolas Koutoulakis stammen. Diese beiden sind bekannt dafür in Zusammenhang mit illegalem Handel zu stehen. Nähere Angaben wollte das Museum zu den Verhandlungen mit der Türkei nicht machen. Solange diese nicht abgeschlossen seien, werde der Inhalt der Gespräche nicht offiziell gemacht.

Das Met Museum hatte zunächst abgestritten, dass es eine Anfrage der Türkei gegeben habe, doch erklärte ein Sprecher, Harold Holzer, später, man befinde sich in Gesprächen und die angeforderten Informationen werden vorbereitet. Türkische Quellen geben allerdings an, das Met habe lediglich mit einem Brief an Ministerpräsident Erdogan geantwortet. Von der Vorbereitung von Informationen wisse man dort nichts.

Die Herkunft der betreffenden Objekte, antike Silberplatten und ähnliche Dinge, die zum Sion-Schatz gehören, im Dumbarton Oaks in Washington D.C. sind ebenso fragwürdig. Diese erstand das Museum 1966 von einem privaten Sammler, der sie wiederum noch in demselben Jahr von Geord Zakos kaufte, der ebenfalls in illegalen Handel verwickelt ist. Schon zwei Jahre danach versuchte die Türkei, diese wiederzubekommen und sie mit dem restlichen Schatz von Sion, der im Antalya-Museum steht zusammenzuführen.

Im Cleveland Museum sollen sich 21 illegal eingeführte Objekte befinden. Das Museum wollte der Los Angeles Times keine Erklärung abgeben. Doch es sieht so aus, als werde sich die Türkei auch hier nicht zufrieden geben.

Türkei verärgert über Reaktion der US-Museen

Für die amerikanischen Museen sind solche Rückforderungen nichts Neues. In den vergangenen Jahren bestätigten mehrere Länder, dass Kunstobjekte in die USA geschmuggelt worden seien. Das Getty, das Met, das Cleveland sowie das Boston Museum of Fine Arts und das Princeton University Art Museum gaben Griechenland und Italien insgesamt mehr als 100 Objekte zurück. Um weitere solcher Vorfälle zu verhindern, einigten sich die Museen mit den betreffenden Ländern fragwürdige Objekte durch geliehene zu ersetzen.

„Die Türkei ist verärgert, weil sie unehrliche Antworten auf ihre Anfragen erhält“, so Süslü. Seit Jahrzehnten kämpfe die Türkei gegen illegalen Kunsthandel – bisher nur wenig erfolgreich. Das soll sich mit der Verweigerung von Leihobjekten nun ändern.

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