Gesundheitsministerium: Rauchen ist die häufigste Ursache für Krebs in der Türkei

Anlässlich der Nationalen Krebswoche, die in der Türkei seit vergangenem Sonntag und noch bis zu diesem Samstag, den 7. April, stattfindet, hat das türkische Gesundheitsministerium mit einer Besorgnis erregenden Nachricht für Aufmerksamkeit gesorgt. In einer zum Auftakt veröffentlichten Erklärung, weist die Behörde darauf hin, dass das Rauchen die häufigste Ursache für Krebs in der Türkei ist.

Die Nationale Krebswoche, die stets Anfang April stattfindet, zielt darauf, die Sensibilität der Öffentlichkeit für Krebs zu erhöhen. Denn, wie das türkische Gesundheitsministerium mitteilt, werden 100,000 der 150,000 jährlich neu auftretenden Krebsfälle durch das Rauchen verursacht. Allein durch ein Zurückfahren des Tabakkonsums, so heißt es, könnten zwei Drittel der neuen Krebsfälle in der Türkei verhindert werden (der Kauf gefälschter Anti-Krebsmittel sorgte kürzlich für mediales Aufsehen – mehr hier).

In einer Zusammenstellung gibt das Ministerium auch Aufschluss über die Verteilung der Krebsfälle. Demnach tritt Lungenkrebs häufiger bei Männern auf. Unter Frauen ist hingegen Brustkrebs am häufigsten anzutreffen (auch im Fall von Premier Erdogan wurde über eine Krebserkrankug spekuliert – mehr hier, die Diagnose macht auch vor anderen Prominenten nicht Halt – mehr hier).

Bewusstsein für Vorsorge-Maßnahmen schärfen

Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das türkische Gesundheitsministerium bereits 2011 ein Projekt namens „National Cancer Control Program“ ins Leben gerufen. Gemeinsam sollen Maßnahmen, die dem Krebs entgegen wirken, wie Krebs-Screening und Prävention, gefördert und verbessert werden. Auch das Bewusstsein, durch Forsorge-Untersuchungen viel bewirken, wenn nicht gar Leben zu retten, soll dadurch geschärft werden.

In ihrer zum Wochenanfang veröffentlichten Erklärung weist das Ministerium auch darauf hin, dass Zentren für Krebs-Frühdiagnose und – Screening (KETEM) als Teil des Nationalen Programms mittlerweile in jeder Provinz etabliert seien. Dieses solle nun bis 2015 abgeschlossen werden. Das Ziel: Die Türkei will eines Tages zu denjenigen Ländern weltweit zählen, die die Krebserkrankungsrate in ihrem Land unter Kontrolle gebracht hat.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg – und zwar allerorten. In seiner Erklärung verweist das Ministerium ebenfalls auf Zahlen der WHO und der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die zeigen, dass die Zahl der Krebsfälle weltweit eher zu- als abnimmt. Laut der Daten der beiden Institutionen wurde 2008 bei zwölf Millionen Menschen eine Krebsdiagose gestellt. Es wird geschätzt, dass diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf 26 Millionen klettern wird. Diese Entwickung, so heißt es, werde vor allem in den Entwicklungsländern erwartet.

Krebsursachen: Rauchen, Übergewicht und längeres Leben

Laut WHO gibt es derzeit vor allem drei Hauptgründe für die Zunahme von Krebserkrankungen: Rauchen, Übergewicht und eine erhöhte Lebenserwartung. Wie Privatdozent Abdullah Büyükçelik, Dozent an der Acıbadem Universität und Onkologie-Spezialist am Kayseri Krankenhaus, gegenüber der türkischen Zeitung „Zaman“ erklärte, erhalten in der Türkei jedes Jahr etwas 150,000 Menschen die furchtbare Diagnose. Krebs, so klärt er auf, resultiere aus einer unkontrollierten Zellvermehrung, die auf genomische Veränderungen zurückzuführen sei. Für Krebs gäbe es zudem mehrere Risikofaktoren wie etwa genetische Veranlagung, Rauchen, Essstörungen und Strahlenbelastung.

Wie ungesund die Türken tatsächlich leben, brachte eine Untersuchung des statistischen Instituts der Türkei, TurkStat, erst im vergangenen September zu Tage. Demnach seien derzeit gut 40 Prozent aller Todesfälle in der Türkei auf Kreislauferkrankungen zurück zu führen. Derartige Krankheiten entstünden, so heißt es darin, vor allem auf Grund schlechter Lebensgewohnheiten. Dazu gehöre das Rauchen, zu wenig Bewegung und natürlich auch die Art der Ernährung. TurkStat zufolge zählen zu den drei häufigsten Todesursachen Kreislauferkrankungen mit 39.9 Prozent. Krebs und andere bösartige Tumore sind in 20.7 Prozent der Fälle verantwortlich (laut einer Studie vom Macmillan Cancer Support soll sich Sport positiv auf die Behandlung auswirken – mehr hier). Bei  8.9 Prozent der Toten sind es Erkrankungen der Atemwege. Der Studie zu Grunde lagen 280,500 Todesfälle des Jahres 2009.

22 Millionen Türken greifen zum Glimmstengel

Trotz laufender Kampagnen, so heißt es auch hier, sei die Anzahl der Raucher nach wie vor sehr hoch. Laut Mustafa Aydın, Vorsitzender der Gesellschaft “Kampf gegen das Rauchen”. soll es 2009 in der Türkei rund 22 Millionen Raucher gegeben haben. Man schätzt, dass bis Ende 2011 noch etwa 19 Millionen zum Glimmstengel greifen werden. Dennoch sei die Zahl der Raucher im Vergleich zu anderen Ländern noch immer äußerst hoch.

Und wie gestaltet sich die Situation in Deutschland? Auch hierzulande sterben mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als an Krebs, informiert das Deutsche Krebsforschungszentrum. Allerdings: „Berücksichtigt man, dass die Menschen heute im Durchschnitt viel älter als noch vor 20 Jahren werden, so geht die Krebssterblichkeit in Deutschland seit Jahren zurück. Vor 1980 starben mehr als zwei Drittel aller Krebspatienten an ihrer Krebserkrankung. Heute kann mehr als die Hälfte auf dauerhafte Heilung hoffen.“ Für 2012 werden 486.000 neue Krebserkrankungen erwartet. Teils seien die Zahlen darauf zurückzuführen, dass die Lebenserwartung steige und in Deutschland immer mehr Menschen eine Krebserkrankung buchstäblich noch „erleben“ würden. Bei Frauen sei der Anstieg der absoluten Erkrankungszahlen zudem auf die Früherkennung von Brustkrebs durch das Mammographie-Screening zurückzuführen: Viele Frauen zwischen 50 und 69 Jahren hätten in den letzten Jahren zum ersten Mal an dieser 2004 eingeführten Untersuchung teilgenommen, was die Rate der neu entdeckten Erkrankungen kurzfristig habe ansteigen lassen.

Rauchen: wichtigster vermeidbarer Faktor der Krebsentstehung

Etwa jeder vierte Todesfall hierzulande war weiteren Angaben zufolge 2008 durch Krebs bedingt: Insgesamt starben 215.440 Menschen. An Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben jedoch weitaus mehr, nämlich 356.353 Patienten. Wie in der Türkei dominierte auch hier bei Männern der Lungenkrebs. Bei Frauen liegt ebenfalls der Brustkrebs vorne.

In Sachen Prävention kommen die Deutschen dabei zu einem ähnlichen Schluss wie das türkische Gesundheitsministerium: „Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor der Krebsentstehung. Die Beziehung zwischen Tabakkonsum und Lungenkrebs ist besonders auffallend. In Deutschland sind bei Männern vermutlich neun von zehn, bei Frauen mindestens sechs von zehn Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückzuführen, so das Robert Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland in der Broschüre ‚Krebs in Deutschland‚.“ Auch mit Blick auf andere Krebsarten, wie zum Beispiel auch Brustkrebs sehen die Wissenschaftler einen Zusammenhang.

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