Doktortitel für 39 Euro und den Brief vom Staatsanwalt gleich dazu

Doktortitel zu Schnäppchenpreisen boomen: Bereits für 39 Euro kann man sich beim Rabattdienst Groupon eine entsprechende Urkunde kaufen und sich dann „Dr. h.c.“ nennen – doch wer den Titel verwendet oder damit unterschreibt, riskiert ein Strafverfahren wegen Titelmissbrauchs.

Nicht neu aber günstig wie nie: Im Internet kann man sich Doktortitel ganz einfach per Mausklick kaufen (einige Politiker haben sich dagegen keinen Titel gekauft, sondern haben abgeschrieben – mehr hier rund hier). Alle Titel sind Ehrentitel, das heißt, sie enthalten den Zusatz „h.c.“ für den lateinischen Begriff „honoris causa“ – ehrenhalber. Dafür muss keine Doktorarbeit geschrieben und keine Prüfung abgelegt werden – das klingt verlockend. Verliehen werden die Titel zumeist von Kirchen in den USA. Das sind keine Kirchen im eigentlichen Sinne, sondern kleine Gemeinschaften, die sich als „Kirche“ in den Vereinigten Staaten sehr einfach gründen und kirchliche Doktortitel – gegen eine kleine „Spende“ – verleihen dürfen. Doch offiziell anerkannt werden diese Titel in Deutschland nicht.

Titelmissbrauch ist strafbar

Auch wenn die Internetanbieter versprechen, dass lediglich darauf geachtet werden müsse, den Titel bei Verwendung genau wie in der Urkunde vollständig mit Fachgebiet, Aussteller und Ort anzugeben, ist die legale Verwendung ein sehr schmaler Grat. Das Auftreten nach außen kann schon einen Titelmissbrauch darstellt. Denn tatsächlich besteht eine große Verwechslungsgefahr mit echten akademischen Graden, wenn sich beispielsweise ein Physiotherapeut „Doctor h.c. of Alternative Therapy, MLDC Institute (USA)“ nennt oder ein Unternehmensberater „Doctor h.c. of Counseling“. § 132a des Strafgesetzbuches stellt den Titelmissbrauch mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe in Rechnung. Das gilt auch und gerade für Titel, die akademischen Titeln zum Verwechseln ähnlich sind.

Tipp vom Anwalt für Strafrecht

Sie sollten einen kirchlichen Ehrendoktortitel ebenso wie die günstigen „Adelstitel“ aus Irland als das sehen, was sie sind: Als Spaßurkunden für die Wand im Partykeller oder als witziges Geschenk für den kleinen Bruder. Denn wer sich mit dem gekauften Doktortitel Vorteile verschafft oder sogar damit Dokumente unterschreibt, macht sich strafbar und kann wegen Titelmissbrauchs verfolgt werden.

Cengiz Han, Rechtsanwalt aus Duisburg

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