Doğan TV Chefin: Sozialer Status und Gleichberechtigung gehen Hand in Hand

Es gibt eine starke Korrelation zwischen wirtschaftlichem Wohlstand und der Gleichheit zwischen Männern und Frauen, so Arzuhan Doğan Yalçındağ, Präsidentin der Doğan TV Holding. Die Top-Managerin war Rednerin beim zweiten internationalen Frauengipfel in Wien. In der Türkei, so fasst sie zusammen,seien bereits acht Prozent der börsennotierten Unternehmen in Frauenhand. Sorge bereiten hingegen nach wie vor Frauen mit niedrigem Bildungsstand.

Im Rahmen des zweiten WIENERIN Summit, das am 29. März unter dem Motto “Frau.Macht.Wandel” von der österreichischen Mediengruppe „Styria“ in Wien organisiert wurde, erklärte Yalçındağ, dass die Regierungen und lokalen Verwaltungen in der Ersten Welt sich aktiv damit befassen und sich um eine Verbesserung der Beschäftigung von Frauen bemühen würden.

Die Veranstaltung, die heuer erneut unter der Schirmherrschaft von SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek stattfand, wurde zum ersten Mal im vergangenen Jahr anlässlich des 25. Geburtstags des Magazins „Wienerin“ durchgeführt. In ihrem Redebeitrag internationalen Frauengipfel, der dieses Jahr in Kooperation mit der Industriellenvereinigung stattfand, zitierte Yalçındağ nun eine aktuelle Untersuchung des internationalen Beratungsunternehmens McKinsey. Darin heißt es, dass Unternehmen, die von Frauen und Männern geleitet würden um 56 Prozent profitabler seien als jene, die allein von Männern verwaltet würden.

Frauen ohne Bildung haben es in der Türkei schwer

Und wie ist der Stand in der Türkei? Acht Prozent der börsennotierten Unternehmen in der Türkei werden von Frauen geführt, informiert die Präsidentin des größten türkischen Medienunternehmens, die den Mächtigen der Welt auf Augenhöhe begenet (in dieser Hinsicht hat man Deutschland bereits den Rang abgelaufen – mehr hier). In den anderen 27 EU-Mitgliedsstaaten läge der Anteil hingegen nur bei drei Prozent. Was den Mittelstand anbelangt sei es jedoch die Türkei, die hinten anstünde. Hier seien es nur sieben Prozent Frauen in den Führungsetagen der kleinen und mittelständischen Unternehmen. EU weit seien das jedoch 33 Prozent.

Ausgewogener ist das Verhältnis, wenn man den Beschäftigungsanteil hinsichtlich des Bildungsabschlusses betrachtet. Laut Yalçındağ würden Männer und Frauen mit Hochschulabschluss in der Türkei gleichermaßen am Berufsleben partizipieren (viele Lehrbücher in der Türkei sind jedoch immer noch frauenfeindlich – mehr hier). Problematisch sei hingegen nach wie vor die Beschäftigung von Frauen mit niederen Bildungsabschlüssen, so die erfolgreiche Unternehmerin (Die amerikanische Soziologin Helen Rose Ebaugh hält die Gülen-Bewegung für eine ungefährliche Bewegung, die Rolle der Frau müsse jedoch neu definiert werden – mehr hier). Hier gibt es also noch jede Menge zu tun: Bis 2023 will die Türkei zu den zehn Top-Volkswirtschaften der Welt gehören und die Beteiligung von Frauen ist hierbei von entscheidender Bedeutung, um ein solches Ziel zu erreichen, ist sie überzeugt (die türkische Filmindustrie stellt sich derzeit zumindest ganz auf die Interessen von Frauen ein – mehr hier).

Internationaler Frauengipfel: Frauen müssen sich vernetzen

Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek zeigte sich davon überzeugt, dass „wenn es mehr Frauen an der Macht gäbe, riefe das nicht nur einen gesellschaftspolitischen Wandel hervor, sondern auch einen wirtschaftlichen Erfolg, denn gemischte Führungsteams sind ökonomisch von tiefstem Nutzen“. Ihr Appell in die Runde lautete deshalb: „Mut zur Macht, liebe Frauen! Gehen Sie heute weg mit noch mehr Lust auf Macht!“ Ins gleiche Rohr bließ auch WIENERIN Chefredakteurin Sylvia Margret Steinitz. Sie schloss den zweiten internationalen Frauengipfel mit der Kernbotschaft des Tages ab: „Die Macht liegt in uns – wir müssen sie nur richtig nützen“ und forderte alle TeilnehmerInnen auf, sich zu vernetzen, Impulse mitzunehmen und umzusetzen – „denn das ist das wichtigste Ziel des WIENERIN Summit 2012“.

Zu den rund 300 Kongressgästen gehörte neben Heinisch-Hosek, die deutsche Wissenschaftlerin und Autorin Kristin Raabe, die isländische Parlamentarierin Aktivistin, Poetin und Internet-Pionierin Birgitta Jonsdottir, Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung Wien und Vorsitzender der Kapsch AG, Tatjana Oppitz, Generaldirektorin IBM Österreich, Regina Prehofer, Vizerektorin Finanzen und Infrastruktur an der WU Wirtschaftsuniversität Wien sowie die türkische Botschafterin in Österreich, Ayşe Sezgin.

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