Trotz Geldwäsche-Gefahr: Western Union-Transfers nun auch im Laden möglich

Zweistellige Millionenbeträge aus dem Drogenhandel sollen in Australien über Western Union ins Ausland transferiert worden sein. Western Union will auch das Geschäft in Deutschland ankurbeln - und profitiert von der laxen deutschen Meldepflicht. Deutsch-türkische Einzelhändler sollten dennoch auf der Hut sein.

In Australien sollen über das Western Union-System seit 2007 zweistellige Dollar-Millionenbeträge an Drogengeldern ins Ausland verschickt worden sein. Die Behörden ermitteln, berichtet die australische Zeitung The Age. Aufgrund einer, seit 1.11.2009 geltenden, veränderten EU-Gesetzeslage bieten mittlerweile auch 1.000 Einzelhändler in Deutschland Western Union-Geldtransfers in ihren Geschäften an. Zuvor war dies nur über Finanzdienstleister oder Banken möglich. Somit können also zahlreiche deutsch-türkische Händler in Deutschland zwar an den teuren Gebühren mitverdienen, gleichzeitig aber – ohne es zu wissen – Geldwäsche und den Transfer von kriminellen Geldern ins Ausland ermöglichen. Auch wenn keine unmittelbare Gefahr droht, sollten deutsch-türkische Händler besondere Vorsicht walten lassen. Die umfassenden Ermittlungen in Australien zeigen, dass das Thema auch an den ahnungslosen Händlern nicht spurlos vorübergehen muss.

Um mit Anbietern wie MoneyGram oder Western Union Bargeld ins Ausland zu transferieren braucht weder der Versender noch der Empfänger ein eigenes Konto. Ein Ausweis und eine Transaktionsnummer genügen, und schon kann Geld innerhalb von Minuten aus Deutschland geschafft werden. Ab einem Transaktionsbetrag von 15.000 Euro gelten in Deutschland „erweiterte Sorgfaltspflichten“, es bestehen aber keine Meldegrenzen für Verdachtsmeldungen, wie es in anderen Ländern üblich ist. Das bedeutet, dass verdächtige Sachverhalte unabhängig vom Betrag generell zu melden sind. Einzelhändler werden geschult, „auffällige Transaktionen zu erkennen und die Compliance-Prozesse von Western Union umzusetzen“, sagt Western Union auf Anfrage der Deutsch Türkischen Nachrichten. „Das zugrunde liegende System stoppt fragliche Transaktionen, die somit nicht abgewickelt werden.“. Ob kriminelle Geldtansfers in unterschiedlich großen Geldbeträgen in unregelmäßigen Abständen an unterschiedliche Empfänger als „fragliche Transaktion“ auffallen, ist jedoch nicht sicher. Und einmal im Ausland ausgezahlte Gelder sind kaum mehr wieder zu finden.

In Australien müssen Geldtransfers über 10.000 Dollar gemeldet werden. Vereinzelte Western Union-Vertragspartner sollen daher bestimmte Geldtransfers auf Beträge unter 10.000 Dollar verteilt und mit legalen Geldmitteln vermischt haben, um nicht meldepflichtig zu werden, sagen die Ermittler.

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