Feridun Zaimoğlu: „Ich kann Grass nur beglückwünschen“

Der Schriftsteller Feridung Zaimoğlu findet die Grass-Kritiker unverschämt. In Deutschland und in Israel versuche man sich im Vorwurf des Antisemitismus zu überbieten. Dabei vergesse man allerdings die Wahrheit.

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Feridun Zaimoğlu findet die Diskussion um Günter Grass Gedicht einfach nur lächerlich. Es sei natürlich klar gewesen, dass beim Ansprechen dieses Themas die „Antisemitismuskeule aus dem Sack“ geholt werde. Er findet, Grass habe lediglich die Wahrheit ausgesprochen. „Sowohl in Deutschland als auch in Israel herrscht ein Überbietungswettbewerb im Vorwurf des Antisemitismus“, erklärt er im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. „Ich kann Grass nur beglückwünschen“, sagt er.

Die Leute, die Grass jetzt so attackieren, seien solche, „die sowieso noch eine alte Rechnung mit Grass zu begleichen hatten“. Zaimoglu kann auch die politische Einmischung nicht nachvollziehen: „Wenn Westerwelle ihm Realitätsverlust vorwirft, dann will ich sagen: Realitätsverlust, dein Name sei Guido Westerwelle!“.

„Unverschämt“ findet er diejenigen, die nun so viel Kritik an dem Autor üben. „Hetzer wie Henryk M. Broder, die ihn als Antisemit bezeichnen, haben den Startschuss für die Kritik gegeben“, meint er. „Israel besitzt Atomwaffen und ist eine Bedrohung für viele Staaten, eine Gefahr für den Frieden“, sagt Zaimoğlu. Doch bei der Verurteilung von Grass tue man so, als sei „die jetzige israelische Regierung keine rechtskonservative, die mit fast allen Staaten im Streit ist. Grass hat darauf hingewiesen und damit hat er recht“, erklärt Zaimoglu. Ob das wohl richtig erkannt wurde? Der Autor ist sich sicher: „Die Hunde kläffen, aber die Karawane zieht weiter“.

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