Erster Staatsbesuch nach 27 Jahren: Türkei und China schließen Milliarden-Deals

Auf dem chinesisch-türkischen Forum zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit unterzeichneten Geschäftsleute beider Länder Milliarden-Deals. Politisch habe Erdoğan allerdings ebenfalls ein Zeichen gesetzt, meint der ehemalige Geheimdienstler Mahir Kaynak. Die Türkei habe gezeigt, dass sie sich nicht für eine Seite entscheide. Trotz des Vetos gegen die UN-Resolution wendet sich das Land nicht von China ab.

Nach 27 Jahren ist Erdoğan, der erste türkische Ministerpräsident, der China einen Staatsbesuch abstattete. In der Türkei stieß dieser Schritt auf große Anerkennung. Damit haben die „Flitterwochen“ in den türkisch-chinesischen Beziehungen begonnen, hieß es bei der Nachrichtenagentur Anatolia.

Die Besuch war allerdings vielmehr wirtschaftlicher als politischer Natur (vor kurzem wurden erstmals türkische Bücher in China vorgestellt – mehr hier). Auf dem türkisch-chinesischen Forum für wirtschaftliche Zusammenarbeit, zu dem Erdogan von Wirtschaftsminister Zafer Caglayan und Energieminister Taner Yildiz begleitet wurde, wurden nicht nur Investitionsmöglichkeiten besprochen, sondern vor Ort Verträge unterschrieben.

Um nur zwei der Kooperationen zu nennen: Die türkische Hattat Holding und die chinesische Avic International Holding unterzeichneten einen zwei Milliarden-Deal zum Bau eines 1,980 Megawatt Wärmekraftwerks in der Provinz Bartın. Damit soll auch die Arbeitslosigkeit in der Türkei weiter bekämpft werden, denn mit dem Kraftwerk sollen 11.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Zudem könnte der Kohleimport um eine Milliarde Dollar gesenkt werden. Die beiden Unternehmen haben das Ziel, fünf Millionen Tonnen Kohle in den Minen von Bartın abzubauen. Auf alternative Energie setzen dagegen die Akfel Group in der Türkei und Chinas Sun Energy Unternehmen. Sie wollen gemeinsam Solarmodule in der Türkei produzieren (Kumi Naidoo, internationaler Direktor der Umweltorganisation Greenpeace, empfahl bei seiner Türkei-Visite auf Solar- und Windenergie zu setzen – mehr hier).

Message an China: Türkei lässt sich nicht auf eine Seite ziehen

Der Kolumnist der Star-Zeitung und ehemalige Geheimdienstler Mahir Kaynak glaubt, dass die Türkei den Zeitpunkt des Besuchs sehr gut gewählt hat. Während China und Russland derzeit heftiger Kritik ausgesetzt sind, weil sie nicht an der UN-Resolution gegen Syrien teilnahmen, zeige die Türkei, dass sie sich für keine Seite entscheide. Die Message an China laute, dass man sich hier genau aus diesem Grund vor allem wirtschaftlich für die Türkei entscheiden solle.

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