Fahndungserfolg in Ankara: Polizei stellt radioaktive Schmuggelware sicher

Mitarbeitern der Anti-Schmuggeleinheit der Polizei in Ankara ist ein sensationeller Fund gelungen. Die Beamten konnten zwei Glasröhren mit 500 Gramm Cäsium-137, einem radioaktiven Isotop des Elements, beschlagnahmen. Es wird vermutet, dass es von Russland über Georgien in die Türkei geschmuggelt wurde.

Die Spezialeinheiten, so berichten türkische Medien, seien nach einem warnenden Hinweis aktiv geworden. Demnach soll radioaktives Material in einem Auto mit deutschem Nummernschild über Georgien in die Türkei verbracht worden sein. Sobald die Sicherheitsbeamten das Fahrzeug ausfindig gemacht hatten, verfolgten sie seine Fahrt bis in Ankaras Distrikt Yenimahalle.

Bei der Durchsuchung des Autos, so heißt es weiter, seien dann insgesamt 500 Gramm Cäsium-137 in zwei Glasröhren sowie eine nicht lizenzierte Pistole und 18 Münzen von historischem Wert entdeckt worden. Im Fahrzeug selbst befanden sich drei Personen. Die türkischen Staatsangehörigen, die in Deutschland leben, wurden allesamt festgenommen. Durchwegs sollen die Männer bereits wegen Schmuggeldelikten vor Gericht gestanden haben. Das ginge aus ihren Akten hervor.

Cäsium-137 kann zum Atombombenbau verwendet werden

Cäsium-137, ist die häufigsten Form des radioaktiven Alkalimetalls und ein Produkt der Kernspaltung. In der Regel wird es in der Krebsbehandlung eingesetzt. Daneben findet es auch in einer Vielzahl von Messgeräten in der Bau-und Bohr-Industrie, aber auch in der Landwirtschaft Verwendung. Allerdings kann das Material auch zum Bau einer Atomwaffe verwendet werden.

In diese Richtung äußerte sich auch David Albright, Chef des unabhängigen „Institute for Science and International Security“ in Washington, bereits 2010, indem er sagte, dass sich Experten inzwischen weitgehend einig seien, dass „Terroristen eine improvisierte Atomwaffe bauen könnten“. Als wahrscheinlichstes Szenario wird unter ihnen der Bau einer so genannten „schmutzigen Bombe“ angenommen. In diesem Zusammenhang berichtete die Süddeutsche damals weiter: „Mit einer Bombe, die Cäsium-137-Pulver enthält, ließe sich Simulationen zufolge eine Fläche von mehreren Dutzend oder sogar Hunderten Quadratkilometern so stark verstrahlen, dass sie unbewohnbar wäre. An dieser nuklearen Lowtech-Waffe, die sich in jeder Garage zusammenbasteln ließe, waren die Dschihadisten der al-Qaida ebenfalls interessiert. Die CIA berichtete schon 2002, die Terror-Holding besitze Baupläne für eine solche Bombe. US-Einheiten hatten in Afghanistan entsprechende Hinweise gefunden.“

Cäsium-137: Erinnerungen an Tschernobyl werden wach

Die Halbwertszeit von Cäsium-137 beträgt 30 Jahre. In der Öffentlichtkeit fand das radioaktive Isotop verstärkte Beachtung, als es infolge der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 in größeren Mengen in die Umwelt gelangen konnte. Wie „foodwatch“ berichtet, habe unter den Auswirkungen von Tschernobyl  seinerzeit vor allem auch die türkische Schwarzmeerküste gelitten – und damit auch die Teeproduzenten der Türkei, die mit hoch belasteter Ware zu kämpfen gehabt hätten. „Auch heute noch scheint das Problem nicht ganz ausgestanden zu sein“, heißt es hierzu weiter. „2009 entdeckte das kantonale Laboratorium von Basel-Stadt zwei Schwarzteeproben aus der Türkei, die 61 ± 4 bzw. 100 ± 7 Bq/kg des Radionuklids Cäsium 137 enthielten.“

Was die drei Verhafteten mit dem Spaltprodukt vor hatten ist bisher nicht bekannt.

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