Papst schreitet ein: Kirche in Istanbul soll eine Million Lira Steuern nachzahlen

Wie die Gemeindeverwaltung von Beyoğlu in İstanbul herausgefunden hat, schuldet die hiesige St. Antoine Kirche der Gemeinde fast eine Million Lira, die sich über die letzten 27 Jahre durch unbezahlte Grundsteuern angehäuft haben. Jetzt eilt das Oberhaupt der Katholischen Kirche persönlich zur Hilfe.

Laut Angaben der Gemeinde habe St. Antoine, so heißt es in den türkischen Medien, bereits seit 1986 keinerlei Steuern für das rund vier Meter breite Areal vor dem Gotteshaus bezahlt, das laut seiner Klassifizierung in den Dokumenten nicht von einer Steuerschuld befreit sei. Bis zum 18. April dieses Jahres müssen nun insgesamt 935,235 Lira entrichtet werden (erst im vergangenen Jahr kam es in der Türkei zu einer ganzen Reihe von Steuererhöhungen – mehr hier).

Der Pastor der Gemeinde, Julian Pişta, sagte hierzu: „Wir haben das nicht mit irgendwelchen bösen Absichten getan. Da Kirchen per Gesetz von den Steuern befreit sind, dachten wir, dass der Kirchhof auch steuerfrei wäre. Niemand dachte, dass dieser als Grundbesitz betrachtet würde.“ Im Zuge dessen hat Pişta bereits am vergangenen Dienstag den Bürgermeister von Beyoğlu, Ahmet Misbah Demircan, aufgesucht und darum gebeten, die Kirche von ihrer Steuerschuld zu befreien.

Benedikt XVI. wendet sich an italienisches Konsulat

Doch vielleicht hilft in dieser Sache auch der Beistand von allerhöchster katholischer Stelle. Wie die türkische Zeitung „Hürriyet“ berichtet, habe sich mittlerweile sogar Papst Benedikt XVI. über das italienische Konsulat in Istanbul in den Fall eingeschaltet. Dieses solle der Sache umgehend nachgehen und falls erforderlich sogar Klage einreichen. Auch der Pastor stehe bereits mit ihnen in Kontakt (wie sich die Situation einer Minderheitenkirche in der Türkei darstellt, darüber sprachen die DTN mit der ersten deutschen Pfarrerin vor Ort – mehr hier).

Pastor mit Gemeinde-Lösung nicht einverstanden

Auch Bürgermeister Demircan kann zumindest von seiner Seite aus Entwarnung geben. Er versicherte, dass die Kirche keine Steuern zu entrichten habe. „Dieses Geld muss nicht bezahlt werden. Die Gemeinde kann aufhören sich zu sorgen“, zitiert das Blatt Ahmet Misbah Demircan. Um die entsprechende Änderung in den Dokumenten werde man sich kümmern. Doch so ganz einverstanden ist der Pastor damit nicht. „Wenn die Sultanahmet Moschee keine Registrierung als Heilige Stätte braucht, dann sollten wir das auch nicht“, so seine Argumentation. Immerhin gehe die Kirche auf das Jahr 1230 zurück.

Weiterhin empfinde er es als ein „natürliches Recht“, dass er seine Gemeinde über diese Situation informiere. „Unsere Gespräche mit der Gemeinde werden weitergehen. Wir hatten einen Monat Zeit, um Einspruch einzulegen und jetzt rückt diese Frist immer näher. Wenn wir bis dahin zu keiner Lösung finden, dann werden wir das Gericht anrufen. Tun wir das nicht, dann akzeptieren wir damit die Steuerschuld.“ Wie der Fall ausgehen wird, ist bisher also völlig offen. Das letzte Wort in dieser Sache hat jedoch das Finanzministerium, das anzuzeigen hat, was in letzter Instanz zu tun ist.

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