Türkischer Botschafter in den USA: Frauen sind bei uns keine Bürger zweiter Klasse!

Der türkische Botschafter in den USA, Namık Tan, hat ein in der "Washington Times" veröffentlichtes Gastkommentar scharf kritisiert. Darin wird US-Präsident Barack Obama geraten, den Standpunkt des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan hinsichtlich der Erziehung von Mädchen nicht öffentlich zu loben und behauptet, dass türkische Frauen in der Türkei Bürger zweiter Klasse wären.

In einem Brief an die Zeitung bezeichnete Namık Tan diese Anschuldigungen als „misslich und unfair“. Als stolzer Ehemann und Vater sei er schockiert darüber gewesen ein Gastkommentar lesen zu müssen, in dem Erdoğan schlecht gemacht wird und es darüber hinaus einen ungerechtfertigten Angriff auf seine geliebte Tochter enthält, um die Rolle der Frau in der Türkei auf das Gröblichste falsch zu charakterisieren (in der Türkei gibt es mehr Frauen in Führungspositionen als in Deutschland – mehr hier).

Obama lobt die Erziehung von Erdoğans Töchtern

In ihrem Artikel vom 27. März dieses Jahres bezieht sich die Autorin Marybeth Hicks auf ein zwei Tage zuvor stattgefundenes Treffen zwischen Barack Obama und Erdoğan. Darin stellte der US-Präsident seine Freundschaft zu seinem türkischen Kollegen heraus und betonte die Übereinstimmung in einer ganzen Reihe von Themen, da auch Erdoğan zwei Töchter hätte. Obama erklärte, dass Erdoğans Töchter „etwas älter sind als meine“ und sie „sehr gut geraten sind, weshalb ich stets an seiner Sicht über die Erziehung von Mädchen interessiert bin“ (einige Lehrbücher sind hingegen immer noch frauenfeindlich – mehr hier).

Laut Hicks sei es vor allem Erdoğans Tochter Sümeyye, eine überzeugte Kopftuchträgerin, die westliche Schulen besucht hätte und im Focus der Medien stehe. Im Verlauf ihres Beitrags griff sie auch den Islam an und beschuldigte ihn die Religion zu sein, die die Rechte von Frauen am meisten einschränke und restriktiver hinsichtlich der grundlegendsten ihrer Freiheiten wäre. „Während Herr Erdoğan offenbar seinen extrem hellen und privilegierten Töchtern erlaubt Vorteile aus den Möglichkeiten, die sich ihnen eröffnen, zu ziehen, sind die meisten muslimischen Töchter dazu gezwungen ihren Status als Bürger zweiter Klasse zu akzeptieren“, so Hicks.

Autorin Hicks ist auf politischem Stimmenfang

Namık Tan zeigt sich mit dieser Einschätzung ganz und gar nicht einverstanden. Frauen in der Türkei, so der Botschafter, würden wie seine Frau und seine Tochter vor dem Gesetz gleichbehandelt. „Sie sind, wie Millionen stolzer türkischer Frauen, keine Bürger zweiter Klasse.“ Als eine der größten Demokratien unter muslimischer Mehrheit hätte sein Land sogar eine Vorbildfunktion in der gesamten Region, um Gleichheit und Toleranz zu fördern. Er erinnerte sich in diesem Zusammenhang an die Konferenz „International Convention on Gender Equality“ der türkischen Regierung, die erst kürzlich in Ankara stattgefunden habe.

Tan warf der Autorin vor, auf Kosten von Erdoğans Tochter, eine Privatperson, die lediglich mit einem Regierungsmitglied verwandt sei, politisch punkten zu wollen. Besser hätte sich Hicks seiner Meinung nach darauf konzentriert, wie die Türkei ein solch breites Spektrum an politischen und religiösen Meinungen innerhalb der Gesellschaft vereint hätte. Auch hätte der Artikel erwähnen können, was sich in der Türkei alles tue, um Gewalt gegen Frauen einzudämmen (erst Anfang März wurde ein Gesetz zum Schutz der Frau verabschiedet – mehr hier). Stattdessen würden hier einzelne, wie die Tochter des Premierministers angegriffen und die gewählte Religion von Frauen und Männern in der Türkei falsch dargestellt. Das ist „misslich und unfair“.

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