Türkischer Bildungsminister: Kopftuch im Wahl-Religionsunterricht künftig erlaubt

Wie der türkische Bildungsminister Ömer Dinçer nun ankündigte, soll es Mädchen an Gymnasien und höheren Schulen künftig gestattet sein im sogenannten Wahl-Religionsunterricht ein Kopftuch zu tragen. Vorausgesetzt, sie tragen es nur während dieser Unterrichtseinheiten.

Wahl-Religionsklassen dieser Art, die das Tragen eines Kopftuches gestatten, sollen als Teil des umstrittenen neuen Bildungs-Reformgesetz eingeführt werden, so Ömer Dinçer. „Weibliche Schülerinnen einer Imam-Hatip Schule können diesen Unterrichtseinheiten mit Kopftuch beiwohnen, vorausgesetzt, [sie tragen es] nur während [dieser] Klasse und es geht mit den sonstigen Auflagen überein“, sagt Dinçer gegenüber der türkischen Zeitung „Hürriyet“. Daneben können die Religionskurse auch von Schülern anderer Schulen besucht werden – ebenfalls mit Kopftuch und unter den gleichen Bedingungen.

Welche Fächer angeboten werden, entscheidet die Schule

Wie der Minister weiter informiert, werde es neben den zwei neuen Religionswahlfächern „Der Koran“ und „Das Leben unseres Propheten, Seine Majestät“ eine ganze Reihe anderer Wahlfächer geben. An jeder Schule werde ein aus Lehrern bestehender Rat dann entscheiden, welche zusätzlichen Angebote von der Einrichtung umgesetzt werden.

In der Türkei ist das Tragen von Kopftüchern in staatlichen Behörden bisher generell verboten. Alle öffentlich Bediensteten wie zum Beispiel Beamte und Lehrerinnen, aber auch ihre Schülerinnen und Studentinnen sind von dieser Regelung betroffen (aus diesem Grund studierte auch Erdogans Tochter Sümeyye im Westen  – mehr hier). Das Kopftuchverbot wird in der Türkei zuweilen auch mit polizeilichen Maßnahmen durchgesetzt und macht selbst vor der Ehefrau des Premiers nicht Halt (Emine Erdogan wurde vor einigen Jahren der Zutritt zur Medizinischen Militärakademie Gülhane (GATA) verwehrt – mehr hier).

In Deutschland sorgte vor gut 13 Jahren der Fall der muslimischen Lehrerin afghanischer Herkunft Fereshta Ludin für großes mediales Aufsehen. Ihr wurde 1999 eine Einstellung als Beamtin auf Probe in den Schuldienst von Baden-Württemberg verweigert, da sie während des Unterrichts nicht auf das Tragen ihres Kopftuches verzichten wollte. Nach diesem „Kopftuchurteil“ suchte Ludin ihr Heil im fernen Berlin. Dort unterrichtete sie an der staatlich anerkannten und vom Islam-Kolleg e. V. getragenen islamischen Grundschule in Berlin-Kreuzberg, wo sie sich zunächst eine Stelle mit ihrem damaligen Ehemann teilte.

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