Türk Telekom will mit niedrigen Roaming-Gebühren punkten

Der älteste türkische Telekom-Konzern kommt nach Deutschland. Türk Telekom möchte vor allem mit einem Pfund wuchern: Das Unternehmen will das Ärgernis der Roaming-Gebühren beseitigen.

„Seit 50 Jahren kommen deutsche Firmen in die Türkei“, sagt Cengiz Öztelcan, Managing Director von Türk Telekom Euro im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Doch nun sei es Zeit, dass sich türkische Firmen auch in Deutschland etablieren und hier erfolgreich Geschäfte machen.

In der dritten Generation leben Türken mittlerweile in Deutschland. Doch nach wie vor werden die Verbindungen ins Heimatland aufrechterhalten, erklärt Cengiz Öztelcan. Seit vergangenem Jahr ist das größte türkische Kommunikationsunternehmen auch im deutschen Markt vertreten. Türk Telekom operiert in Deutschland als Partner der spanischen Telefonica (O2). Deutschland ist an der Spitze der Länder, aus denen am meisten in die Türkei telefoniert wird und umgekehrt. „Doch der deutsche Markt ist auch einer der am meisten umkämpften, nirgends herrscht so viel Wettbewerb“, sagt Öztelcan. Viele Festnetzanbieter bieten schon seit einigen Jahren Flatrates ins Ausland an.

„Wir wollten den Deutsch-Türken und den Deutschen mit intensiven Beziehungen in die Türkei ein Angebot machen, bei dem sie so gestellt sind, als wären Deutschland und die Türkei ein und derselbe Markt“, sagt Öztelcan. Das Festnetz ist das Mittel der Wahl für die Alten. Die Jungen sind dagegen voll auf das mobile Telefonieren fixiert, ebenso wie Geschäftsleute, die in beiden Ländern zu tun haben. „Türken telefonieren dreimal mehr als Deutsche“, so Öztelcan weiter. „Wenn sie in der Türkei sind, sind sie jedoch gezwungen ihre Handys abzuschalten, um die hohen Gebühren zu umgehen. Sie suchen dann nach kurzfristigen Lösungen wie Prepaid-Karten, die die Sache aber auch nicht unbedingt günstiger machen“, beschreibt Öztelcan das Problem. Auch Urlauber sind mehrere Tage von der Außenwelt abgeschnitten, wenn sie Kosten vermeiden wollen.

Er kennt das aus eigener Erfahrung. „Überall in der Welt gibt es Türken“, sagt Öztelcan. Er ist in Wiesbaden geboren, aber schon mit vier Jahren in die Türkei zurückgezogen. Nach Abschluss des Abiturs hat er sich entschlossen, in den USA aufs College zu gehen. Wie eine „türkische Mutter“ eben sei, sagt er, habe sie sich natürlich nicht an den Gedanken gewöhnen können, dass ihr Sohn so weit weg sei. Als er nach einem Jahr mit nur einem Koffer nach Hause kam, fiel sie aus allen Wolken: „Wo ist der Rest?“, fragte sie – bis sie verstand, dass aus dem Jahr in der Fremde ein Jahrzehnt für den Sohn werden sollte.

Verständlich, dass auch Deutsch-Türken ihre Familienangehörigen trotz der Entfernung an ihrem Leben teilhaben lassen wollen. „Wir haben uns angeschaut, was stört – und haben dann die Roaming-Gebühren abgeschafft“, erklärt er. Außerdem erübrige sich durch das an Deutschland und die Türkei angepasste Angebot, der Karten-Wechsel. In beiden Ländern können ein und dieselbe SIM-Karte benutzt werden, was vor allem auch für Geschäftsleute vorteilhaft sei. Der Preis ist offenbar sehr attraktiv, weil Türk Telekom der Platzhirsch in der Türkei ist und daher auch bei niedrigen Preisen gute Margen macht. Außerdem bietet das Unternehmen seinen Kunden an, sämtliche WiFi Hotspots in der Türkei gratis zu nutzen.

Telekom setzt sich von den Mitbewerbern im Mobilfunkmarkt ab, sagt Öztelcan. „Unser Ziel ist es nicht, am billigsten zu sein. Dann könnte uns jederzeit ein anderes Unternehmen überbieten. Wir können uns mit den billigsten Angeboten messen und wollen aber auch nachhaltig Kunden gewinnen“, so Öztelcan. Die Angebote sollen nicht nur auf den Mobilfunk beschränkt bleiben. Spielzusammenfassungen der türkischen SüperLig können Türk Telekom Mobile User schon jetzt direkt nach den Spielen, zu einem monatlichen Festpreis empfangen. Weitere Projekte für die Zielgruppe in Deutschland seien bereits in Planung.

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