Koranverteilung: Warum auch die Muslime dagegen sind

Auch an diesem Samstag verteilten Salafisten Korane in vielen deutschen Großstädten. Doch damit schaden sie den Muslimen, auch diese sind gegen die Aktion.

Zunächst einmal sei gesagt, dass niemand mit einem gesunden Menschenverstand gegen das Verteilen des Korans ist. Kaum einer wird dies negativ einstufen oder als sinnlos sehen. Auch wir Muslime bekommen ständig Bibeln in die Hand gedrückt. Das ist völlig legitim und vor allem legal.

Warum aber die Muslime selbst gerade diese Verteilung anzweifeln hat einen anderen Hintergrund. Es liegt nicht am Koran oder an dessen Verteilung. Die Salafisten können nicht mit dem Argument kommen, die Muslime wären gegen die Verteilung des Korans. Dies ist schlicht und einfach falsch. Schon jetzt werden die Muslime, die sich dagegen aussprechen, in den salafistischen Kreisen als Feinde oder sogar als „sogenannte Muslime“ bezeichnet. Die Muslime – allen voran die Dachverbände – sind aus anderen Fakten gegen diese Verteilung.

Schauen wir uns dazu einfach mal den Effekt dieser Verteilungen an:

1. Die Verteiler, also die Salafisten, behaupten, dass sich dadurch die Meinung zum Islam verbessern würde. Die Menschen würden den Koran lesen und dadurch ein anderes Bild vom Islam bekommen.

Mal Hand aufs Herz, liebe Salafisten? Ist das wirklich so? Trifft das zu?
Ist nicht durch diese Aktion genau das Gegenteil bewirkt worden? Hat man so die Herzen der Menschen gewonnen? Der Prophet Muhammed hat immer kontextgebunden gehandelt. Er hat die Psychologie der Menschen gut verstanden und hat dementsprechend die Liebe in den Herzen der Menschen erzeugt. Leider ist durch die Aktion genau das Gegenteil entstanden. Nur noch mehr Hass, noch mehr Provokation, noch mehr undifferenzierte Polemiken.

2. Das ganze hat einen psychologischen Effekt, der bisher ganz außer Acht gelassen wurde: In unserem Unterbewusstsein werden nun die Begriffe „Salafismus“ und „Koranverteilung“ miteinander verknüpft.

Jedesmal wenn nun ein Koran verschenkt wird, wird man an Salafisten denken. Das ist sehr schädlich. Das Thema des Koranverteilens wird damit sicherlich für viele Moscheevereine nicht mehr in Frage kommen. Und das ist der eigentliche Knackpunkt dieses Theaters. Der Weg für die Koranverteilung wird hier ganz verschlossen. Dass, was die Salafisten also erreichen wollen, erreichen sie mit dieser Aktion nicht. Sie bewirken genau das Gegenteil. Warum tun sie es aber trotzdem?

Der Salafist hinter dem Stand wird sich dafür nicht wirklich interessieren. Dieser würde sagen, er mache es „für Allah“ – was immer er auch damit meint. Schauen wir daher nicht auf die Theaterbühne, auf die Inszenierung, sondern dahinter. Fragen wir uns einfach einmal, wem nützt das ganze? Den Nichtmuslimen? Wohl kaum. Wie schon oben beschrieben, hat es hier genau den Gegeneffekt erzeugt. Den Muslimen? Sicherlich nicht. Da der Islam und die Muslime allgemein wieder im Visier stehen, muss sich jeder Muslim rechtfertigen. Es folgen wieder viele undifferenzierte Meinungen und Berichterstattungen zum Islam.

Den Salafisten? Richtig. Die Salafisten sind die einzigen, die davon profitieren. Maximal 5000 Salafisten gibt es in Deutschland. Im Gegenzug gibt es ca. 4,5 Millionen Muslime. Dass heißt 0,11% der Muslime in Deutschland haben einen Nutzen davon. Die restlichen 99,89% müssen es ausbaden.

Es scheint also alles eine reine PR-Strategie zu sein. So, wie wir es schon in der Vergangenheit von diesen Gruppierung kennen. Das schlimme diesmal ist jedoch, dass dafür der Koran missbraucht wird. Ob sich das wirklich alle Salafisten bewusst sind?

Cemil Sahinöz

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