Der 007 Effekt: James Bond bringt die Touristen nach Adana

Die Aufregung war groß, als das James Bond-Team in der türkischen Stadt Adana einzog, um dort Teile des neuesten Streifens "Skyfall" zu drehen. Mittlerweile sind Daniel Craig und Co. nach Istanbul weitergezogen. Doch ein Hauch von Hollywood ist geblieben.

Der Verkehr rund um das Filmset glich teilweise einem Chaos und für manchen Teenager, der den Stars näher kam als gedacht, wird die Zeit von James Bond in Adana für immer im Gedächtnis bleiben (sie schlichen sich unerlaubt auf das Set – mehr hier). Doch nicht nur die Filmemacher und einzelne Einwohner haben von James Bond und seinen Mannen profitiert. Wie türkische Medien derzeit berichten, scheint die Rechnung der Gemeinde aufzugehen und sich die Zusage an die Amerikaner auch langfristig positiv auf die Stadt auszuwirken. Denn nicht nur die Bevölkerung habe seither zugenommen, die Einheimischen können sich seit den Dreharbeiten auch über ein wachsendes touristisches Interesse an ihrer Stadt erfreuen.

Insgesamt, so heißt es, habe Adana einen richtigen „Schub“ erfahren. Das „Skyfall“-Produktionsteam hätte nicht nur der lokalen Wirtschaft auf die Sprünge geholfen, sondern auch das Interesse der Auswärtigen für die Stadt am Mittelmeer angeheizt.

Bevölkerung von Adana trifft Mitglieder des 007-Teams

Die Vorbereitungen für den aufwendigen Dreh begannen bereits Anfang März dieses Jahres. Diese Gelegenheit wollten viele türkische James Bond-Fans natürlich nicht auslassen. Sie machten sich auf ins Zentrum der türkischen Textilindustrie, um hautnah dabei zu sein, wenn die Hollywood-Stars ihre spektakulären Action-Szenen an der historischen Vardar Brücke, der Kasım Gülek Brücke und am Hauptbahnhof drehen würden. Aufmerksam verfolgten sie das Treiben. Immer wieder wollen Augenzeugen Mitglieder der Crew in der Stadt umherlaufen gesehen haben. „Einmal war ich im Starbucks. Ich sah dort mehrere Leute sitzen, die sich auf Englisch unterhielten“ erzählt zum Beispiel Verkaufskoordinator Vildan Aksoy gegenüber der türkischen Zeitung „Hürriyet“. „Dann fingen wir an mit ihnen zu plaudern und sie zeigten mir ihre Shirts auf denen ’07 Bond Team‘ zu lesen war.“

Doch der Hollywood-Glamour hatte auch eine Schattenseite: Obwohl die Stadt vom Dreh selbst nicht besonder vereinnahmt wurde, sind für einige die Erinnerung dennoch nicht besonders positiv. Ganz im Gegenteil: Für sie, so schien es, waren mit Beginn der Dreharbeiten wirklich harte Zeiten angebrochen. So wurde die Kasım Gülek Brücke kurzerhand für den Verkehr gesperrt (die Autofahrer wurden jedoch nicht rechtzeitig informiert – mehr hier) und die Polizei leitete die verärgerten Fahrer kurzerhand um. „Als die Brücke für den Verkehr gesperrt wurde, wurde dieser zu einem richtigen Problem. Alle nutzten Ausweichrouten“, beschreibt İrem Aksoy, Besitzerin eines französischen Kultur- und Sprachzentrums, die Situation. „Adana ist eine Stadt, in der es noch nie Verkehrsprobleme gegeben hat. Man kann sehr leicht von einem Ort zum anderen gelangen.“ Wirklich ernste Verkehrsbehinderung, fährt sie fort, habe es allerdings nicht gegeben. Jedenfalls nicht so wie in Istanbul (hier gibt es großangelegte Sperrungen – mehr hier).

Bevölkerung lernt ihre eigene Heimat kennen

Ironischerweise hat der Dreh nicht nur Touristen in die Stadt gelockt, sondern deren Bevölkerung auch mehr über ihre eigene Heimat erfahren lassen. „Einige Leute haben die Vardar Brücke nicht einmal gekannt. Die Einheimischen von Adana – zumindest die meisten von ihnen – haben davon erst dank des James-Bond-Teams erfahren“, so İrem weiter. Die Brücke im Distrikt Karaisalı mit ihrer einzigartigen historischen Architektur, wurde vor vielen Jahren von Deutschen errichtet. Erst jetzt hätten die Menschen den Wert und die Bedeutung dieses Bauwerks erkannt.

Auch die Second-hand Shops rund um Adana haben dank des Filmteams, das vor allem an alten Stücken für den neuen Film interessiert war, sehr profitiert. Das Team kaufte alte Gegenstände und Accessoires, wie Kisten, Bambus-Möbel nach Maß, Radios und Bücherregale auf, so  Batuhan Hoşgör, einer der Ladenbesitzer. Hoşgörs Vater, Ahmet Hoşgör, der ebenfalls ein Antiquitätenlädchen besitzt, kann das nur bestätigen. Das Filmteam sei offenbar durch verschiedene Läden quer in der ganzen Stadt gezogen, um dort die passenden Requisiten zu finden.

Daniel Craig am 30. April in Istanbul erwartet

Übrigens: Auch der Humor kam in den hektischen Drehtagen nicht zu kurz. So hätten Unbekannte etwa ein Filmposter abgewandelt, verliehen Daniel Craig den Untertitel „001 – From Adana with Love“ und ersetzten die Waffe in seiner Hand durch einen Kebab.

Mittlerweile ist das „007“-Team nach Eminönü, eines der verkehrsreichsten und belebtesten Stadtviertel Istanbuls, weitergezogen. Seit diesen Montag, den 16. April, ist nun auch hier Ausnahmezustand angesagt. Zu den Bond-Schauplätzen gehören der Ägyptische Basar (Mısır Çarşısı), die Neue Moschee (Yeni Camii), die alte Post, die Bankacılar Straße, die Balat Kiremit Straße sowie der Große Basar. Hauptdarsteller Daniel Craig und seine Kollegen werden für den 30. April erwartet.

Mehr zum Thema:

James Bond-Dreh in Istanbul: Die halbe Stadt wird gesperrt!
Echtes Abenteuer: Türkische Teenager schleichen sich an James Bond Set
James Bond: Dreharbeiten behindern türkischen Verkehr

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.