Unterricht in Atomenergie: Russland lädt türkische Schüler ein

In diesem Jahr werden neben Studenten auch türkische Oberstufenschüler in ein russisches Ausbildungssprogramm zum Thema Atomenergie aufgenommen. Die jungen Leute werden nach Erhalt ihrer Zeugnisse dem künftigen AKW in Akkuyu zugewiesen. Dies soll in der südtürkischen Provinz Mersin unter russischer Federführung entstehen.

Bereits im vergangenen September, informiert Hüseyin Chechenov, General-Manager des AKW Akkuyu, seien etwa 49 Universitätsstudenten, die entsprechende Tests und Interviews bestanden hätten, an die Mephi-Universität nach Moskau geschickt worden, wo derzeit der gesamte russische Nuklearforschungsnachwuchs ausgebildet wird. Mit Beginn des Schuljahres 2012-2013 sollen nun weitere 75 Schüler zur Nuklear-Ausbildung ins ferne Russland entsandt werden. Die entscheidenden Tests hierfür würden, so Chechenov weiter, am 1. Juli durchgeführt werden.

„Rund 250 Schüler werden sich in Ankara und Mersin einem Pilottest unterziehen. Schüler, die hier erfolgreich sind, werden dann am 1. Juli dem eigentlich Test, an dem auch Universitätsstudenten teilnehmen, beiwohnen“, informiert Chechenov, der hinzufügt, dass an diesem Auswahlverfahren junge Leute aus der gesamten Türkei teilnehmen können. Allerdings seien hierfür nur Mathe- und Naturwissenschafts-Studenten ausreichend qualifiziert.

Türkei lässt insgesamt 600 Leute in Russland ausbilden

Insgesamt sollen 600 türkische Schüler sechseinhalb Jahre in Sachen Atomenergie ausgebildet werden. Die Studierenden sollen einen monatlichen Zuschuss von 500 Dollar erhalten, einen Platz in einem Studentenwohnheim und kostenlose Flugtickets bekommen.

Der Umstand, dass man dem umstrittenen russischen Staatsunternehmen “Rusatom” erlaube, ein Atomkraftwerk in Akkuyu, einer wunderschönen Bucht in Mersin in der türkischen Mittelmeerregion, übrigens einem Erdbebengebiet, zu bauen, sei nicht gerade klug, warnte erst kürzlich Kumi Naidoo, internationaler Direktor der Umweltorganisation Greenpeace (die entsprechende juristische Grundlage wurde bereits geschaffen – mehr hier). Sein Appell an die Türkei: “Nehmt Abstand von diesem Wahnsinn und investiert nicht in Atomkraft.” (im Gespräch mit den Deutsch-Türkischen Nachrichten beurteilte auch Greenpeace-Mitarbeiter Cenk Levi die Situation kritisch – mehr hier).

Bau in Akkuyu soll bereits 2013 beginnen

Die Türkei plant in den kommenden zehn Jahren den Bau von zwei AKWs. Eines soll im Süden und ein weiteres im Norden des Landes entstehen. Obwohl die Pläne in der Öffentlichkeit auf Grund ihrer offensichtlichen Risiken, die von Atomkraftwerken ausgehen – auch mit Blick auf Naturkatastrophen -, für scharfe Kontroversen sorgen, hält die türkische Regierung weiterhin daran fest (auch Greenpeace-Mitarbeiter Cenk Levi warnte, es sei unmöglich, sich gegen das eigene Volk zu stellen – mehr hier).

Zwischen der Türkei und Russland wurde bereits im Jahr 2010 ein entsprechender Vertrag über den Bau des ersten AKWs unterzeichnet. Die Kosten sollen sich auf etwa 20 Milliarden Dollar belaufen. „Rosatom“ will bereits 2013 mit der Umsetzung in Akkuyu beginnen. Ab 2018 sollen die Generatoren dann Elektrizität liefern (auch ein schweres Erdbeben im vergangenen Herbst ließ Taner Yıldız nicht von den Plänen abrücken – mehr hier).

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