Koranverteilung: Die Verbotsforderung nutzt den Salafisten

Die kostenlose Verteilung des Korans von Seiten der Salafisten schlägt hohe Wellen. Politiker wie Vertreter von Religionsgemeinschaften verurteilen die Tat. Sie wären aber besser beraten, Ruhe zu bewahren. Denn die mediale Aufmerksamkeit nutzt vor allem den Salafisten.

Salafisten verteilen seit dem Osterwochenende in zahlreichen deutschen Städten kostenlose Exemplare des Korans. Ziel: Jeder Haushalt in Deutschland soll einen Koran haben. 25 Millionen sollen dafür unters Volk gebracht werden. Bis jetzt sollen 250 000 bis 300 000 Exemplare verteilt worden sein. Mehr möchte die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel nach der öffentlichen Kritik aber nicht mehr drucken.

Der Salafismus ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein Sammelbecken einer als „islamistisch“ bezeichneten Bewegung in Deutschland. Nach Schätzungen sollen der Bewegung etwa 3000 bis 5000 Personen angehören. Ziel von Salafisten sei laut Sicherheitsbehörden die Gründung eines islamischen Staats, in dem wesentliche Grund- und Menschenrechte keine Geltung haben sollen.

Und weil die Initiatoren der Verteilaktion problematisch sind, hat sich die Verteilaktion zu einer Debatte über das heilige Buch der Muslime ausgeweitet. Zahlreiche Politiker, Muslimfunktionäre und Kirchenvertreter haben sich in die Debatte eingeschaltet. Alle scheinen sich einig darüber zu sein, dass die Aktion falsch ist.

Politiker müssen Problemgruppe genauer betrachten

Nur Politiker gehen einen Schritt weiter und fordern ein Verbot oder sogar Ausweisung der Initiatoren. Sie wären aber besser beraten, wenn sie sich die Problemgruppe genauer ansehen. Es sind meist junge Menschen, mit durchaus guter Bildung, die in den Salafismus treiben. Es fallen immer mehr Deutschstämmige der Bewegung in die Arme. Und so scheint etwas aus der Kontrolle geraten zu sein in Bezug auf den Salafismus. Daher ist vor allem Aufklärung nötig!

Aber die Reaktionen und die große mediale Aufbereitung des Themas über die Verteilaktion ist wiederum Wasser auf die Mühlen der Salafisten. Es werden Ängste geschürt und Vorurteile geschaffen gegenüber Muslimen. Tenor: Koran = gefährlich. Und Muslime, die sich nicht verstanden und in die Ecke gedrängt fühlen, sind gerade Hauptzielgruppe der Salafisten.

Lucas Wiegelmann von der Welt bezeichnet das als ein Reflex. Er nennt es einen „Anti-Koran-Reflex“, das es in Teilen der deutschen Gesellschaft gibt. Er schreibt: „Jede Sekunde [!] verteilt der evangelische Gideonbund weltweit zwei Bibeln. Würde man die Bände stapeln, käme jede Stunde ein Turm in der Höhe des Big Ben heraus.“ Wiegelmann gibt den Christen einen beschwichtigenden Rat mit auf den Weg: „Für Christen gibt es keinen Grund, die Konkurrenz der heiligen Bücher zu scheuen. Jeder wirkliche Gläubige geht ohnehin davon aus, dass seine Ansichten überzeugender sind als andere.“

Gemeinsamkeiten zwischen Koran und Bibel erkennen

Eine Portion Gelassenheit wäre also nicht verkehrt. Zudem garantiert die Meinungsfreiheit den Menschen, Literatur zu drucken und zu verteilen, wenn sich der Inhalt im Rahmen des Grundgesetzes bewegt. Das ist unsere Stärke! Die Übersetzungen der verteilten Koranexemplare wurden von Sicherheitsbehörden geprüft und für unbedenklich erklärt. Wieso also die Aufregung?

Vielmehr sollte man den Salafisten danken für die kostenlose Aufklärungsaktion und den Bürgern eine Empfehlung aussprechen: Lies! Denn nur so erkennen Sie, welchen Nonsense Salafisten predigen. Denn nur wer liest, wird die vielen Gemeinsamkeiten zwischen dem Koran und der Bibel erkennen.

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