Lebenslang: Mörder eines interreligösen Paares muss lebenslang in türkische Haft

Ein Gericht in Istanbul hat am vergangenen Montag einen türkischen Staatsbürger armenischer Herkunft zu lebenslanger Haft verurteilt. Er wurde des "Ehrenmords" an seiner Schwester und ihres muslimischen Ehemanns für schuldig befunden.

Gönay Öğmen soll seine Schwester Soney Öğmen Vural und ihren Mann Zekeriya Vural im Dezember 2010 im Istanbuler Stadtteil Fatih ermordert haben. Das Gericht entschied, dass der Mord „ein Ehrenmord“ war, obschon Verteidiger Adnan Mercan argumentierte, dass es im Christentum Ehrenmorde gar nicht gäbe.

„Indem er [Zekeriya Vural] erschlagen hat, verunglimpfte Öğmen dessen Würde und Religion. Es stellt sich die Frage, ob es sich um eine verschärfte Provokation handelt. Der Vorfall ereignete sich plötzlich, er war nicht geplant“, so Mercan. Das Gericht entschied allerdings anders. Es befand, dass die Morde in der Tat als „Ehrenmorde“ einzustufen sind. Es verurteilte Vural zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter verschärften Bedingungen für jeden einzelnen begangenen Mord. Die Strafe wurde später auf Grund des guten Benehmens des Angeklagten vor Gericht auf lebenslang herabgestuft (im vergangenen Januar erklärte US-Präsidentschaftskandidat Rick Perry, die Türkei verdiene kein Vertrauen – mehr hier)

Konflikt: Bräutigam wollte kein Christ werden

Der Bräutigam, Zekeriya Vural, ein Juwelier, war Muslim. Die Familie von Soney Öğmen Vural, der Braut, stellte sich gegen die Heirat – angeblich wegen seiner Religion. Das Paar wurde nur elf Tage nach ihrer Hochzeit ermordet. Ihre Leichen wurden in einem Auto in der Nachbarschaft von  Seyitömer aufgefunden. Die Ermittlungen der Polizei hatten später ergeben, dass die beiden durch Schüsse in Kopf und Oberkörper starben (ein türkischer Sicherheitsexperte hat erst vor kurzem erklärt, warum Frauen in die Arme der PKK flüchten – mehr hier).

Gegenüber der Polizei gab der Täter an, dass die Trauung entgegen dem Wunsch seiner Schwester in einer Kirche stattgefunden hätte. Ihr Mann hatte es zuvor abgelehnt zum christlichen Glauben zu konvertieren.

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