Sex-Tipps als Beilage: Türkische Zeitung überrascht ihre Leser

Da wird sich so mancher Leser am vergangenen Dienstag verwundert die Augen gerieben haben. Eine türkische Tageszeitung hat Haydar Dümen, dem renommiertesten und beliebtesten Sex-Therapeuten der Türkei, eine Beilage gewidmet und darin ein “Best of” des Experten zum Besten gegeben.

Die ungewöhliche Beilage fand sich gestern in der bekannten Tageszeitung „Posta“, eine der meistverkauften Zeitungen landesweit. Zu lesen waren darin die „lustigsten Fragen“, die die Leser an Dümen, der eine regelmäßige Kolumne in der Zeitung hat, geschickt haben, sowie seine Antworten darauf (erst Anfang Dezember letzten Jahres geriet er in die Schlagzeilen, weil er angeblich mit Menschen experimentiert haben soll – mehr hier).

Haydar Dümen appelliert an die türkischen Werte

In einem der Leserbriefe schreibt zum Beispiel ein 22-jähriger junger Mann Dümen, dass er „aus Neugier“ eine aufblasbare Sex-Puppe gekauft hätte. Die Crux für den Käufer: „Jetzt habe ich keinerlei Interesse mehr an Frauen. Ich habe sogar eine neue Puppe gekauft als die alte ihre Form verloren hatte.“

In seiner Antwort erklärt Haydar Dümen dem jungen Mann, dass dieses Problem eigentlich ganz normal wäre, wenn es sich bei ihm um einen Teenager handeln würde. „Sex-Puppen haben die Position der Frauen eingenommen und nehmen nun irreversiblen Einfluss auf die psychische Gesundheit von Männern“, analysiert Dümen die Folgen dieser Entwicklung. Er antwortet ihn stattdessen: „Wo sind ist die Ehe, wo sind die Söhne und Töchter, wo ist eine lebenslange Begleiterin? Finden Sie eine echte Frau, die ihren Arm um sie legen kann.“

Haydar Dümen betreibt Aufklärung auf breiter Front

Obschon Dümens Methoden bei einigen Psychologen als umstritten gelten, werden sowohl seine Kolumnen als auch seine Auftritte im türkischen Fernsehen als ein Weg gesehen, die türkische Bevölkerung, in der Sexualerziehung immer noch als Tabu angesehen wird, über Sex aufzuklären (auch der Autor Feridun Zaimoğlu sprach vom „Muff unter den Talaren“ – mehr hier). In Deutschland hat Oswald Kolle diesen Weg bereits in den 60er Jahren eingeschlagen. Der ebenfalls umstrittene Autor, Journalist und Filmemacher polarisierte damals mit Filmen wie „Deine Frau, das unbekannte Wesen“ oder „Was ist eigentlich Pornografie?“, die weltweit von rund 140 Millionen Menschen gesehen wurden (in der Türkei gibt es seit kurzem auch eine schwul-lesbische Zeitung – mehr hier).

http://www.youtube.com/watch?v=wFk66W6lAE8

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