Sorge um Kapalı Çarşı: Zerstört James Bond Film den ältesten Basar der Welt?

Treibt es das Hollywood-Filmteam zu bunt? Pünktlich zum Drehbeginn in Istanbul raste ein Stuntman mitten in ein historisches Juweliergeschäft. Seitdem nehmen die Schäden offenbar kein Ende. Wurden überhaupt ausreichend Maßnahmen getroffen, um den historischen Kapalı Çarşı (Großer Bazaar) zu schützen?

In Adana sorgte James Bonds Mannen „nur“ vor Verkehrsbehinderungen. In Istanbul kam es gleich zu Beginn der „Skyfall“-Dreharbeiten zu einem Paukenschlag. Ein Stuntman raste mitten in ein historisches Juweliergeschäft, das  zwischen 1461 und 1489 gebaut wurde, zerstörte eine wertvolle Kristallscheibe und verstreute das nicht minder kostbare Inventar überall auf dem Boden des Basars. Maßnahmen zum Schutz seines Geschäfts, so gibt Inhaber Mete Boyberi an, seien zuvor nicht getroffen wurden (er zeigte sich äußerst verärgert, weil auch hinterher niemand nach seinem Schaden fragte – mehr hier). „Wer soll dafür zur Rechenschaft gezogen werden“, fragt Boyberi ratlos.

Sein Fall ist jedoch nicht der einzige inmitten des uralten Basars, der als der älteste der Welt gilt. Nur kurz nach dem Unfall kam es am vergangenen Montag, so berichtet die türkische Zeitung „Zaman“, erneut zu unschönen Szenen. Diesmal waren gleich drei Motorräder auf dem Dach des Großen Basars, das 1785 erbaut wurde, unterwegs. Mit Schrecken mussten die türkischen Fernsehzuschauer in den Abendnachrichten sehen, wie der wilde Ritt der Filmemacher dutzende alte Dachziegeln zerstörte. Mit hölzernen Trennwänden wurde anschließend versucht, den Schaden unsichtbar zu machen (am Mittwoch zog dann auch noch ein schweres Unwetter auf – mehr hier).

„Skyfall“-Dreh: Historische Ziegeln durch Plastik ersetzt

Doch ist dem wirklich so? Wie Faruk Bektaş, Vorstandsmitglied der Stiftung der Ladenbesitzer im Großen Basar,  gegenüber „Habertürk“ erklärt, seien die Motorräder der Amerikaner über Plastikziegeln gefahren. Noch vor Beginn der Dreharbeiten hätte man die historischen Ziegeln durch diese ersetzt. Laut Bektaş hätte die Filmcrew die Ziegeln auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern ausgetauscht. Der Basar selbst erstreckt sich über 31.000 Quadratmeter und beherbergt rund 4000 Geschäfte. Darüber hinaus würde der Dreh in den historischen Stätten vom Büro des Istanbuler Gouverneurs, dem Ministerium für Kultur und Fremdenverkehr sowie der Istanbuler Gemeindeverwaltung kontinuierlich überwacht. Er argumentiert, dass der Film, bei der Bewerbung des Großen Basars äußerst dienlich sei und den Tourismus weiter fördern werde.

Gönül Cantay, Professor für Kunstgeschichte, ist da vorsichtiger. Er würde begrüßen, wenn der „Skyfall“-Dreh durch die Hauptverwaltung der Stiftungen (VGM), die türkische Autorität über historische Bauten, oder das Ministerium für Kultur und Tourismus beaufsichtigt würde. Seiner Ansicht nach sei es „inakzeptabel“, dass historische Gebäude wegen eines Films beschädigt würden. Der Professor räumte allerdings ein, dass die Probleme um den Schutz des Basars nicht erst mit den Dreharbeiten begonnen hätten. Bereits seit langer Zeit bedürfe es hier umfassender Restaurierungsarbeiten.

Alles für James Bond: Wurden auch Bäume gefällt?

Bewohner des Viertels Beyazıt behaupten zudem, dass die Filmleute auch nicht vor der Vegetation in ihrer Umgebung Halt gemacht hätten. So seien kurzerhand Bäume, darunter auch zwei Jahrhunderte alten Gewächse, gefällt worden. Die Gemeinde bestreitet diese Vorwürfe und verweist auf ganz normale, Saison bedingte Baumschnittarbeiten.

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