„Genozid“ Karikatur in französischer Schule: Türkische Schüler sind geschockt

Im College Anatole France in Montbéliard ist es zu einer unschönen Unterrichtssituation gekommen. Eine Lehrkraft zeigte den Schülern eine Karrikatur, die einen Türken abbildet, der einen Korb voller Totenköpfe auf dem Rücken trägt. Darüber zu lesen: "Armenian Genocide". Zwei türkische Mitschüler waren entsetzt.

Der Lehrer, so berichtet die türkische Zeitung „Hürriyet“, zeigte die Karikatur während einer Geographie- und Geschichtsstunde und fragte seine Schüler: „Was versteht ihr von dieser Karikatur? Warum kann die Türkei laut dieser Zeichnung nicht der EU beitreten?“

Zu sehen war ein Berg mit einer EU-Fahne auf seiner Spitze. Drei stereotype Figuren, die für Völker des Balkans stehen, sind gerade dabei, den Berg zu erklimmen. Am Boden zurück blieb ein „bäuerlich“ aussehender Türke, der sich ob seiner mächtigen Last auf dem Rücken kaum vom Fleck bewegen konnte. Gefüllt war der riesige Korb, auf dem „Turkey“ zu lesen war, mit Totenschädeln. Darüber fand sich die Erläuterung „Armenian Genocide“. Hinter der türkischen Figur ist ein schlanker Mann betitelt mit „France“ zu sehen, der einen weiteren Schädel in den bereits übervollen Korb legt (der slowenische Philosoph Slavoj Žižek schlug eine besondere Form der Entschuldigung vor – mehr hier).

Genozid-Karikatur ist Teil des französischen Lehrplans

Unter den Schülern der Klasse befanden sich auch der 17-jährige Muhammed Ali Erki und der 14-jährige İsmail Erdal. Beide, so berichtet das Blatt weiter, sollen beim Anblick der Karikatur geschockt gewesen sein. Erki soll dem Lehrer darauf hin entgegnet haben: „Wir haben keinen Genozid begangen, aber sie werfen uns genau das vor. Was denken sie über die Algerier?“ Der Lehrer versuchte ihn zu beruhigen und erklärte ihm: „Du hast Recht, aber diese Karikatur ist nicht meine Idee. Ich muss sie der Klasse zeigen. Sie ist Teil des Lehrplans.

Die Interpretation des Cartoons ist für den 17-Jährigen unterdessen klar: „Die Franzosen wollen die Türkei nicht in der EU zu sehen.“ (in der Genozid-Debatte hat der französische Botschafter die Türkei verteidigt – mehr hier) Beide Schüler erklärten, dass sie, nachdem sie die Zeichnung gesehen hätten, nicht mehr in der Lage gewesen seien dem Unterricht zu folgen. Besonders getroffen hätte sie auch, dass nordafrikanische Schüler sich über die Türkei und die Türken auch noch lustig gemacht hätten. Die Familien der beiden türkischen Schüler haben in der Zwischenzeit den Integrationsverein COJEP informiert. Präsident Ali Gedikoğlu sicherte zu, dass er die Karikatur bei den französischen Behörden thematisieren und beim französischen Bildungsministerium Beschwerde einreichen werde, damit diese aus dem Lehrplan entfernt werde (in Sachen Genozid-Gesetz will Sarkozy nicht aufgeben – mehr hier).

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