Breivik wollte Ex-Ministerpräsidentin enthaupten

Sehr ausführlich schildert der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik im Prozess seine Vorbereitungen und eigentlichen Pläne. Zu diesen habe auch die Enthauptung der ehemaligen Ministerpräsidentin gehört. Zu dem Amoklauf auf Utøya habe er sich erst spät entschlossen.

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hatte offenbar geplant, die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland zu köpfen. Das habe zu seinem Anschlagsplan gehört, so Breivik während des Prozesses gegen ihn am Freitag. Nicht nur damit habe er sein Ziel nicht erreicht. „Der Plan war, nicht 96 Menschen zu töten, sondern alle“, sagte er in Bezug auf das Massaker auf der norwegischen Insel Utøya im Juli.

Für die Ermordung von Brundtland habe er ein Bajonett und ein Messer sowie Handschellen vorbereitet. Doch habe er versäumt, rechtzeitig ein iPhone zu bestellen, mit dem er die Enthauptung aufnehmen wollte. Brundtland hatte sich am Morgen des 22. Juli auf der Insel aufgehalten.

Auch in Oslo habe er vorgehabt, “das gesamte Kabinett zu tötet”, so Breivik. Bei den Explosionen in den Regierungsgebäuden kamen acht Menschen ums Leben. Breivik, so berichtet die Financial Times, habe im Kreuzverhör des Staatsanwalts Svein Holden seelenruhig seine eigentlichen Pläne detailreich geschildert (sein Anwalt wollte ursprünglich gegen seinen Willen auf geisteskrank plädieren – mehr hier). Dabei habe er sich von der Al-Qaida inspirieren lassen. Er betonte allerdings, dass die Enthauptung auch eine traditionelle europäische Art der Exekution gewesen sei.

Ein weiteres seiner Ziele sei die die Redaktion der Zeitung Dagsavisen, die traditionell die Sicht der Arbeiterpartei repräsentiert. Hier habe er auch so viele Menschen wie möglich töten wollen. Doch während seiner Vorbereitungen habe er gemerkt, dass er in der verbleibenden Zeit nicht mehr als eine Bombe bauen könne. Deshalb entschied er sich für eine einzige Bombe in Kombination mit einem Amoklauf (das er weitere Anschlagspläne hatte, war schon kurz nach seiner Festnahme bekannt – mehr hier).

Die Entscheidung, das Jugendcamp auf Utøya anzugreifen, habe er nicht zu Beginn seiner Vorbereitungen getroffen. “Es war das politisch attraktivste Ziel in Norwegen zu dieser Zeit. Das Sommer-Camp hat die Original-Pläne auf den Kopf gestellt und es mussten andere Ziele in Betracht gezogen werden”, sagte Breivik. Bei seinen Schilderungen habe er auffällig oft in der dritten Person gesprochen. Er habe, so Breivik jeden anderen Weg probiert, um seine rechten Ansichten mitzuteilen. Doch die norwegischen Medien hätten solche Ansichten nicht zu gelassen. Deshalb sei eine friedliche Revolution unmöglich, nur eine gewaltsame Revolution sei die einzige Option.

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