Türkische Unternehmer: Geschäftsleute brauchen Visafreiheit

Das deutsch-türkische Handelsvolumen könnte noch viel größer sein, wenn es nicht das Hindernis der Visabestimmungen gäbe, bemängelt Ömer Saglam, Geschäftsführer des Verbandes der türkischen Unternehmer und Industrieller in Europa im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten.

„Die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen werden immer stärker“, erklärt Ömer Sagmal, Generalsekretär des Verbands türkischer Unternehmer und Industrieller in Europa (ATIAD). Der Tag der türkischen Wirtschaft in Deutschland am 27. April soll deshalb als Impulsgeber für neue Kooperationen dienen. Zu wirtschaftlichen Zusammenarbeiten soll weiter ermutigt werden, sagt er im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Noch immer werden diese Bemühungen durch die Visabestimmungen eingeschränkt. Während türkische Unternehmer auch Deutsche als Zielgruppe entdeckt haben, zieht es viele junge Fachkräfte in die Türkei.

„Die Zahlen sprechen für sich“, sagt Saglam. Seit 2001 haben sich nach Angaben des Bundesamts für Statistik die Importe aus der Türkei verdoppelt. Die Ausfuhren von Deutschland in die Türkei haben sich sogar vervierfacht. Und er ist sich sicher: „Der Trend hält an“. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten habe aber noch ein viel größeres Wachstumspotenzial. Diese könne aber aufgrund der Hindernisse durch die Visabestimmungen nicht richtig ausgeschöpft werden.

„Deshalb fordern wir die Abschaffung der Visapflicht für türkische Staatsbürger“. Während deutsche Unternehmer ungehindert in die Türkei einreisen können und Geschäfte abschließen können, müssen türkische Unternehmer jedes Mal ein Visum beantragen, bemängelt er. Als ersten Schritt in Richtung Visafreiheit könne er sich eine Ausnahmeregelung für Geschäftsleute, Künstler und Studenten vorstellen.

Viele junge Deutsch-Türken sehen ihre Zukunft in der Türkei. Sie ziehen es vor, Deutschland den Rücken zu kehren (mehr hier). „Wenn sich ein junger Mensch entscheidet sein Glück in einem anderen Land zu suchen, ist das zunächst einmal sein gutes Recht“, betont Saglam. Wenn die Unternehmen das als Nachteil empfinden und deshalb den Mangel an Fachkräften beklagen, müssten sie auch etwas dagegen tun, sagt er. Denn die Gründe lägen auf der Hand: „Es ist bewiesen, dass Bewerbungen von Personen mit fremd klingenden Namen eher abgelehnt werden, als die der anderen.“ Eine Lösung dieses Problems sei die Einführung anonymisierter Bewerbungen in den Unternehmen.

In der Türkei werden diese jungen Fachkräfte mit offenen Armen empfangen, denn Deutsch-Kenntnisse sind in vielen Betrieben, die nach Deutschland exportieren, ausdrücklich erwünscht. Doch auch hier gibt es Einschränkungen, sagt Saglam. „Die Voraussetzung für einen solchen Arbeitsplatz ist die türkische Sprache. Und zwar nicht ein Dialekt oder Alltagstürkisch. Sie müssen Hochtürkisch können und sich differenziert ausdrücken können.“

Zumal gerade in jüngster Zeit türkische Unternehmen in Deutschland immer aktiver werden (so wie unter anderem das Kommunikationsunternehmen Türk Telekom – mehr hier). Die Herkunft der türkischen Unternehmen beschränke sich auch schon lange nicht mehr auf die Metropole Istanbul. „Es kommen auch immer mehr Unternehmen aus Zentralanatolien und aus dem ägäischen Raum. Sie produzieren in der Türkei, wollen ihre Produkte aber in Deutschland vermarkten“, so Saglam. Alle möglichen Branchen sind vertreten, erklärt er weiter, Firmen aus dem Automobil- und Telekommunikationssektor sowie Stahl verarbeitende Unternehmen. Die klassischen Branchen, wie Lebensmittel- und Textilfirmen seien nach wie vor vertreten.

„Großer Zuwachs ist vor allem in der Möbelbranche zu verzeichnen. Die betreffenden Firmen beschränken sich nicht speziell auf das Ethno-Marketing, sondern wollen sich insgesamt auf dem deutschen Markt etablieren, besonders in NRW. Sie nutzen häufig einen Standort in Deutschland, um von hier aus andere europäische Länder zu beliefern“, sagt Saglam.

Selbst die Krise könne dem deutsch-türkischen Handel nichts anhaben, meint er. „Deutschland geht es wirtschaftlich auch während der Eurokrise noch relativ gut“, so Saglam. 2009 habe das noch anders ausgesehen: „Die Banken haben sich bei der Vergabe von Krediten zurückgehalten. Das hat sich auch auf deutsch-türkische Unternehmen ausgewirkt.“ Jetzt sei davon nichts mehr zu merken. „Wir verzeichnen immer mehr Neugründungen von Personen mit Migrationshintergrund und das in allen Bereichen. Außer den klassischen deutsch-türkischen Betrieben im Lebensmittel- und Gastronomiesektor, gibt es auch immer mehr Neugründungen im Bereich des Handwerks. Die Branchenvielfalt wird immer größer“, so Saglam weiter.

Außerdem gäbe es größere deutsche Traditionsunternehmen, die von Unternehmen aus der Türkei aufgekauft werden. Bei kleineren Betrieben, die hier vor dem Aus stehen, seien es häufig Deutsch-Türken, die diese aufkaufen. „Außerdem beobachten wir eine Professionalisierung in klassischen Bereichen. Zum Beispiel wird der Döner nicht mehr nur in Imbissen verkauft. Mit anderen Standorten werden ganz andere Zielgruppen angesprochen und es bilden sich Franchise-Unternehmen“, erklärt er.

Mehr zum Thema:

EU-Minister Bağış: „Beendet diesen Visa-Nonsens!“
Aygül Özkan: Türken warten fünfmal länger auf Ausbildungsplätze
„Vielfalt als Chance“: Für ein weltoffenes, starkes und erfolgreiches Deutschland

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.