Schäden vs. Nutzen: James Bond Dreh in Istanbul hinterlässt gemischte Gefühle

Der Euphorie weicht langsam die Ernüchterung: Eine Woche nach Drehbeginn zum neuen James Bond Film "Skyfall" auf dem Istanbuler Kapalı Çarşı kommt bei den Geschäftsleuten des Basars immer mehr Sorge auf, ob der daraus resultierende Nutzen tatsächlich die entstandenen Kosten überwiegen wird.

Seit 16. April nimmt das Hollywood-Team verschiedene Stellen auf der historischen Halbinsel, einschließlich Eminönü und dem Großen Basar (Kapalı Çarşı) aus dem 15. Jahrhundert ein. Und nicht nur einmal war in den Medien seither von unschönen Zwischenfällen mit nicht unerheblichen Schäden zu lesen (gleich am ersten Tag raste ein Stuntman in ein Juweliergeschäft – mehr hier).

Ladenbesitzer auf dem Basar erhalten drei Mio. Lira

Zwischen 1000 und 3000 Lira sollen die US-Produzenten nach Absprache mit den lokalen Behörden den 150 hiesigen Ladenbesitzern angeblich als Aufwandsentschädigung pro Tag gezahlt haben. Auch die Straßenhändler, so berichten die türkischen Medien weiter, hätten offenbar 200 Lira täglich bekommen. Die Höhe der Entschädigungen sei dabei an ihren durchschnittlichen Tagesumsätzen bemessen worden, um Missbrauch auf beiden Seiten vorzubeugen. Darüber hinaus hätten die Produzenten einige Ladenbesitzer entlang bestimmter Straßen gebeten, ihre Geschäfte, entgegen der Gewohnheiten, auch am Sonntag zu öffnen, um die Dreharbeiten entsprechend fortsetzen zu können. Am Ende willigten 130 Läden ein und jeder von ihnen erhielt noch einmal 350 Lira. Insgesamt, so heißt es, hätten die Inhaber drei Millionen Lira an Aufwandsentschädigungen erhalten.

Viele Ladenbesitzer im Basar, so heißt es etwa in der „Zaman“ seien begeistert gewesen, dass eine solche hochkarätigen Film am Ort ihrer Arbeit gefilmt werden würde. Sie hätten sich dadurch nicht nur einen weiteren Touristenschub erhofft, sondern auch zusätzliche Arbeitsplätze für jene, die im Rahmen der Produktion mithelfen würden. So erklärte ein Ladenbesitzer gegenüber „Sundays Zaman“: „Wir sind sehr froh, dass die Produktion solcher Film hier stattfindet, sie bringt unsere Kultur in die Welt und mehr Besucher hierher.“

Ladenbesitzer fürchten um das Image der Türkei

Doch es gibt auch andere Stimmen. Einige sehen es gar nicht gerne, dass dem Hollywood-Team die Produktion an so einem bekannten historischen Ort gestattet worden ist (mit Argusaugen wird das Vorgehen der Filmleute beobachtet – mehr hier). Sie zeigen sich jedoch nicht nur besorgt hinsichtlich möglicher Schäden, die die Dreharbeiten verursachen, sondern auch darüber, wie die Türkei im Film dargestellt werden könnte. So erklärt etwa ein Ladeninhaber: „Ich will nicht, dass mein Geschäft Teil des Films wird. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass der Film die Türkei als Heimat des ‚bad guy‘ fungieren wird, hinter dem James Bond her ist.“ Ein anderer fügt hinzu, dass die Produktionsassistenten Gegenstände in den Basar gebracht hätten, die hier überhaupt nicht verkauft würden. Für ihn ist auch ganz klar: „Die Motorrad-Szene hätte nicht auf dem Dach eines so alten und historischen Gebäudes gefilmt werden dürfen. Ich bin mir sicher, dass sie großen Schaden verursacht hat.“

Doch den ersten Aufruhr gab es bereits wenig zuvor, als ein Stuntman gleich zu Beginn der Dreharbeiten aus Versehen in ein 330 Jahre altes Juweliergeschäft raste und dabei eine wertvolle Kristallscheibe zu Bruch ging. Auch Inhaber Mete Boybeyi war zunächst begeistert von der Wahl des Basars als Drehort, beanstandete jedoch, dass ihm niemand mitgeteilt hätte, dass die Crew so dicht an sein Geschäft herankommen würde. Dank des Schadens an seinem Geschäft, das übrigens dem Amt für Denkmalschutz untersteht, hätte er nun das Nachsehen. Denn auch die Behörde hätte bei den Reparaturarbeiten ein Wörtchen mitzureden. Und das könne dauern. Er sieht sich gezwungen, nun für einige Zeit zu schließen, was selbstredend mit erheblichen Verlusten für ihn einher gehen wird.

Verbandspräsident Fırat: Alles geht mit rechten Dingen zu

Wie Hasan Fırat, Verbandspräsident der Basarhändler, gegenüber der „Zaman“ erklärte, seien jedoch alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen und alle nötigen Genehmigungen vom Amt für Denkmalpflege, der Istanbuler Stadtverwaltung und dem Ministerium für Kultur und Tourismus eingeholt worden. Seinen Angaben zufolge hätte es großer Anstrengungen bedurft, um die Produktion in die Türkei zu holen. Laut Firat, seien sich diejenigen, die jetzt darüber klagten nicht bewusst, in welchem Ausmaß der Film Publicity und Aufmerksamkeit in die Türkei bringen werde. Auch die Ladenbesitzer seien vor Drehbeginn vertraglich abgesichert worden. Darin würde auch stehen, dass sie alle durch den Film entstandenen Schäden ersetzt bekommen würden. „Die Produktion spendete dem Verband darüber hinaus 85,000 Dollar“, informiert er weiter und stellt noch einmal heraus, welchen nachhaltigen Effekte „Skyfall“ auf die Stadt und das ganze Land haben werde.

Ertuğrul Günay, Minister für Kultur und Tourismus, bläst derweil in das gleiche Horn. Die bisher entstandenen Schäden, so seine Auffassung, seien von den Medien erheblich übertrieben worden. Er bestätigte noch einmal, dass alle erforderlichen Genehmigungen von den zuständigen Ämtern für alle Drehorte erteilt wurden. Auch er sieht hier den Nutzen für die Zukunft überwiegen. Gemeindeverwaltung, Ladenbesitzer und NGOs sollten Hand in Hand arbeiten. Um das zuvor angesprochene Dach, so der Minister, werde man sich im Rahmen umfassender Renovierungsarbeiten kümmern.

Die „Skyfall“-Dreharbeiten in Istanbul, in die insgesamt 500 Statisten und 100 Stuntmen involviert sind, sollen insgesamt zehn Tage dauern. Der 23. James Bond Film soll bereits im kommenden Oktober in die Kinos kommen.

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