Gedenktag des Armenischen Völkermords: Türkei fordert von Obama Objektivität

Am 24. April gedenken Menschen weltweit an den Armenischen Völkermord im Ersten Weltkrieg. Der Zentralrat der Armenier fordert auch von Deutschland ein Gesetz, das die Leugnung des Genozids unter Strafe stellen soll. Die Türkei warnt dagegen vor allzu subjektiven Ansichten über die Vorkommnisse von 1915.

In der armenischen Hauptstadt Jerevan marschieren tausende Menschen durch die Straßen um des Armenischen Genozids von 1915 zu gedenken. Viele Slogans richteten sich gegen die Türkei. Auch eine türkische Fahne sei verbrannt worden. „Wie viele andere auf der ganzen Welt verneigen wir uns heute in Erinnerung an die unschuldigen Opfer des Armenischen Genozids“, erklärte der armenische Präsident Tigran Sargsjan.

Der Zentralrat der Armenier in Deutschland nutzt das 97. Jahr der Vorkommnisse von 1915 um auch von Deutschland die „Anerkennung des Völkermords von 1915 und strafbewehrtes Verbot der Leugnung von Völkermorden“ zu fordern. Vor allem die Türkei kritisieren sie für ihre Haltung: „Was richtet die Leugnung des türkischen Völkermords an den Armeniern durch die Türkei noch heute, fast hundert Jahre danach, bei denen an, die Elend überlebt, die ihre ermordeten Familien zurücklassen und in die Diaspora fliehen mussten? Es gibt in Bezug auf den Völkermord an den Armeniern kein Informationsdefizit, es gibt einzig und allein ein Defizit an Willen, Täter und Opfer fein säuberlich zu trennen.“

Keine politische Instrumentalisierung der Genozid-Debatte

Die Türkei warnte indes amerikanische Politiker, in Bezug auf die Vorkommnisse von 1915 von „Genozid“ zu sprechen, wie türkische Medien berichten. Damit wolle man verhindern, dass die Genoziddebatte zu politischen Zwecken instrumentalisiert werde. Obama wird eine Ansprache zum „Armenier Gedenktag“ halten. „Wie in den Jahren zuvor erwartet die Türkei, dass Obama objektiv bleibt, wenn er über den Armenischen Genozid spricht und sowohl auf das Leid der osmanischen Türken als auch der Armenier während des Ersten Weltkriegs eingeht. Die Armenier waren nicht die einzigen, die unter den Umständen des Krieges leiden mussten“, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums der Tageszeitung Zaman.

Al-Dschasira veröffentlicht am 24. April eine Dokumentation, die in Kürze auch auf Englisch erscheinen werde. Dabei werde nicht gewertet, sondern ausschließlich die Sichtweisen verschiedener Personen gezeigt. Darunter auch ein Interview mit dem armenischen Journalisten Hrant Dink, der 2007 in der Türkei auf offener Straße getötet wurde (mehr hier). Er erklärt darin: „Wir sind zwei kranke Nationen. Die Türken und die Armenier. Die Armenier machen ein schweres Trauma in Bezug auf die Türken durch. Die Türken sind paranoid in Bezug auf die Armenier. Wir sind beide ein Fall für die Klinik. Wer soll uns therapieren? Der französische Senat? (in Frankreich wurde ein Gesetzesentwurf, der die Leugnung unter Strafe stellt kürzlich vom Verfassungsrat abgelehnt – mehr hier) Der US-Senat? Wer verschreibt uns ein Rezept? Wer ist unser Arzt? Die Armenier sind der Therapeut der Türken und die Türken der der Armenier. Einen anderen Arzt, ein anderes Rezept, ein anderes Medikament gibt es nicht. Der Dialog ist die einzige Lösung.“

Mehr zum Thema:

Völkermord-Streit: Egemen Bağış bittet Deutschland um Hilfe
Steiger Award in Bochum: Zentralrat der Armenier in Deutschland wertet Proteste gegen Erdogan als “großen Erfolg”
Hrant Dinks Bruder: Genozid-Gesetz verstößt gegen Meinungsfreiheit!

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.