Saudischer Großmufti: „Zehnjährige Mädchen können heiraten!“

Das rechtlich heiratsfähige Alter für Mädchen erhöhen? Für den saudischen Großmufti Abdul Asis bin Abdullah el Scheich steht das überhaupt nicht zur Debatte. Nach einer Debatte vor drei Jahren betont er nun noch einmal: Es sei zulässig, dass Mädchen im Alter von zehn Jahren heiraten.

Nach Ansicht von Abdul Asis bin Abdullah el Scheich sei ein Mädchen im Alter von zehn bis zwölf Jahren bereit für die Ehe und betonte im gleichen Atemzug, dass das islamische Recht Frauen nicht unterdrücke.

„Diejenigen, die für die Anhebung des Heiratsalters auf 25 plädieren, irren sich absolut“, so der Großmufti während eines Vortrags an der Universität in Riad. „Unsere Mütter und Großmütter heirateten, als sie kaum zwölf Jahre alt waren. Eine gute Erziehung macht ein Mädchen bereit in diesem Alter alle ehelichen Pflichten zu erfüllen“, antwortet al-Scheich auf die Frage einer weiblichen Zuhörerin hinsichtlich der Praxis minderjährige Mädchen ohne deren Einwilligung zu verheiraten (ein Vater wollte seinen kleinen Sohn kürzlich auf Facebook verkaufen – mehr hier).

Großmufti schockierte bereits 2009

Die „National Human Rights Association“ (NHRA) hat diese Praxis mit dem Hinweis auf eine „Verletzung der Kindheit“ kritisiert. Sie sei ein Verstoß gleich gegen mehrere UN-Verträge, inklusive der Kinderrechtskonvention, die 1996 auch von Saudi-Arabien unterzeichnet wurde sowie der UN -Frauenrechtskonvention, die das Königreich im Jahr 2000 mit Vorbehalten gegen Artikel 9 Abs. 1 und Artikel 29 Abs. 1 ratifizierte.

Bereits Anfang 2009 sorgte der Großmufti mit dieser Ansicht für weltweite Verstörung. Schon damals erklärte er, dass diese Praxis mit dem Islam übereinstimme und dass das islamische Recht, das nach seiner Sicht zulässt, dass Männer sich Kinder zur Frau nehmen, gegenüber Frauen nicht repressiv sei. Aufgekommen war die Debatte, nachdem im Dezember 2008 ein saudisches Gericht eine Klage zurückgewiesen hat, die Ehe eines achtjährigen Mädchens, in die sie von ihrem Vater gezwungen wurde, mit einem 58-jährigen Mann aufzulösen. Das Mädchen, so die Justiz, müsse warten, bis sie in die Pubertät käme (auch in Deutschland hat eine Studie über Zwangsverheiratung für Diskussionen gesorgt – mehr hier).

Höheres Mindestalter: Amnesty International skeptisch

Jetzt wird das Thema jedoch wieder brandaktuell. Angeblich, so wird ein Sprecher aus dem Justiziministerium von „Reuters“ zitiert, rückt die Heraufsetzung des Mindestalters für eine Heirat in Saudi-Arabien in greifbare Nähe. Ein Schritt, auf den nicht nur Organisationen wie Amnesty International bereits seit Jahren warten. Laut Mohammed al-Babetein hätte sein Ministerium mittlerweile eine klare Haltung in dieser Angelegenheit angenommen. Künftig sollen einheitliche Regelungen für die Sicherheit von jungen Mädchen sorgen. Wo die Altersgrenze allerdings liegen sollte, darüber ist man noch zu keiner Einigung gelangt. Ob sich tatsächlich etwas bewegt, darüber zeigt sich zumindest Amnesty-Sprecher für den Nahen Osten, James Lynch, skeptisch. Bis es zu einer tatsächlichen Umsetzung käme, seien diese Worte nichts weiter als „schöner Schein“. Ihre Sorge um Mädchen, die viel zu früh oder zwangsverheiratet werden kann dadurch jedenfalls nicht gemildert werden.

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