Türkische Cyberaktivisten legen konservative Milli Gazete lahm

Die türkische Cyberaktivisten Gruppe "RedHack" ("Rote Hacker") hat an diesem Freitag die Internetseite der konservativen Tageszeitung "Milli Gazete" eingenommen.

Wie die türkischen Medien berichten, handelt es sich bei der „Milli Gazete“ um eine auf einer religiösen Basis ruhenden Publikation mit engen Verbindungen zu konservativen Gruppen in der türkischen Gesellschaft (die türkische Regierung bereitet derzeit einen Gesetzesentwurf zur Regulierung von Internet-Medien vor – mehr hier).

Die marxistisch-leninistisch und pro PKK eingestellte Hacker-Gruppe RedHack hat erst vor einigen Tagen die Webseite des türkischen Innenministeriums gehackt und alle Dokumente aus dem Dateiensystem des Ministeriums heruntergeladen. Statt Informationen des Ministeriums sahen die User ein Bild des Ministers İdris Naim Şahin sowie eine maskierte Person. Auch verschiedene Polizeiserver waren in der Vergangenheit bereits Ziel ihrer Attacken. Erst im vergangenen Februar war die Polizeidirektion von Ankara Opfer eines Angriffes. Wie dadurch bekannt wurde, benutzte die türkische Polizei die lapidare Zahlenkombination „123456“, um geheime Dokumente abzuspeichern.

Polizei wird RedHack-Aktivisten nicht habhaft

Infolge dessen hat die türkische Polizei gemeinsam mit der Justiz  am 16. März eine Operation gegen die Hacker-Gruppe gestartet – bisher konnte allerdings kein einziger identifiziert werden. Vermeintliche Festnahmen wurden von Mitgliedern der Gruppe immer wieder dementiert.

Als Beweggründe für ihre Eingriffe gibt die Gruppe an, etwas gegen die Pauschalverurteilung der User durch die türkische Regierung zu haben, für die jeder von Beginn an „potentiell schuldig“ sei (auch Reporter ohne Grenzen haben die Türkei im Auge – mehr hier). „Diese Überwachungen sind dazu da, um die Internet-User zu zähmen und die Freiheit der Gesellschaft zu steuern. Andere Meinungen, welche man im Internet verbreite und gestalte, werden von der Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) verfolgt“, werden sie von den Medien zitiert. Wie in dieser Woche außerdem bekannt wurde, hat sich mittlerweile auch Anonymous mit den türkischen Cyberaktivisten im Kampf gegen die Internetzensur solidarisiert.

Die Seite der „Mili Gazete“, die Teil der Milli-Görüş-Bewegung und wiederholt durch antiwestliche, antisemitische und demokratiefeindliche Äußerungen aufgefallen ist, ist mittlerweile wieder erreichbar. Die deutsche Ausgabe der Zeitung wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

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