Alkoholverbot in Afyonkarahisar: Entscheidung spaltet die Gemüter

Kein offener Verkauf, kein offener Konsum von Alkohol: Ein kürzlich erlassenes Verbot des Gouverneurs von Afyonkarahisar, das dem Wohl und Schutz der Bevölkerung dienen soll, ruft gemischte Reaktionen hervor. Die Argumentation der Verbrechensprävention kann nicht von allen nachvollzogen werden.

Verhütung von Kriminalität, alkoholbedingte Verkehrsunfälle und Erhaltung der öffentlichen Ordnung: Durch ein Alkoholverbot in der 170.000 Einwohner großen Stadt Afyonkarahisar soll es nach Ansicht der Behörden wieder merklich ruhiger werden (es hatte einige unangenehme Entwicklungen gegeben – mehr hier).

Der offene Verkauf und Konsum von Alkohol in Parks, Gärten oder auf Freiflächen, Straßen, Picknickplätzen, in historischen Ruinen und im Innenraum aller Fahrzeuge – die Verordnung, die auf der Grundlage einer neuen Direktive von Gouverneur İrfan Balkanlıoğlu umgesetzt wird, umfasst eine ganze Reihe von Punkten. Sie verbietet auch den Konsum – nicht aber den Verkauf – von Alkohol in Bahnhöfen, Promenaden, Treppenhäusern, in Gewerbebauten und vielen anderen Örtlichkeiten mehr.

Umfassendes Verbot: Kommt in Afyon noch mehr?

Doch nicht bei allen stößt der Vorstoß auf Zustimmung. Ein Beamter aus dem Büro des Gouverneurs von Afyon, der in den türkischen Medien lieber anonym bleiben möchte, erläuterte, dass die Verordnung nicht bei Cafés mit Lizenz, Bars oder Restaurants greife. Nochmals betont er, dass es das einzige Ziel der Maßnahme sei, den Bürgern friedliche, öffentliche Plätze zur Verfügung stellen zu können. „Alkoholkonsum auf der Straße ist bereits verboten, das ist also nicht neu. Die Verodnung richtet sich an diejenigen, die Alkohol in ihren Autos in öffentlichen Parks konsumieren“, so seine Rechtfertigung. Bei der Opposition kommt das allerdings gar nicht gut an. „Diejenigen, die andere auf Grund ihres Alkoholkonsums behelligen, sollten nicht mit denjenigen in einen Topf geworfen werden, die das nicht tun“, so Nevzat Ercan von der CHP. „Wir sind besorgt darüber, ob weitere Regelungen folgen werden.“

Auch Ahmet Toptaş, CHP-Abgeordneter der Stadt, blickt misstrauisch auf die Entscheidung der Behörden. Er bezeichnet diese als „Teil der Anstrenungen der Regierung eine monotype Gesellschaft zu kreieren“. „Die Entscheidung des Gouvneurs ist unerklärlich. Das Trinken von Alkohol in Straßen und Parks ist bereits verboten (…). Aber es gibt eine versteckte Motivation hinter dieser Entscheidung. Der Hauptgrund für diese Entscheidung ist, eine monotype Gesellschaft getreu der Regierungsmentalität zu schaffen.“

Fragwürdiger Trend in Afyon: Trinken in Privatfahrzeugen

Es gibt allerdings auch Stimmen, die das weitreichende Verbot befürworten. So zum Beispiel Ümit Yusuf Aydın, Chef der Vereinigung der Beschäftigten im Gesundheitswesen von Afyon. Er sagt, diese Entscheidung sei gut. „Alkohol ist ungesund, das Trinken ist eine Angewohnheit, die andere verleiten kann.“

Eine Zuwiderhandlungen wird in Afyon künftig mit einem Bußgeld von 82 Lira belegt sein. Das Gouversneurbüro beharrt darauf, dass die Maßnahme erforderlich geworden sei, nachdem es in der Stadt zur Gewohnheit wurde, Alkohol in Privatfahrzeugen zu konsumieren, was in der Folge zu vermehrten Verkehrsunfällen geführt habe (Mehr als 2500 Menschen starben 2011 in der Türkei durch Alkohol am Steuer – mehr hier). Darüber hinaus bleibt man bei der Argumentation, dass sich Trinker an immer mehr öffentlichen Plätzen niedergelassen und massive Störungen verursacht hätten.

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