Türkischer Lebenswandel im Visier: Kaum Alkohol und überhaupt kein Sport

Eine Studie über den Status der Familienstruktur in der Türkei hat interessante Zahlen zu Tage gefördert. Demnach gaben 82.5 Prozent der Befragten an, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Gleichzeitig sagen 68.4 Prozent, dass Sport so gar nicht zu ihrem Leben gehört. Eine Sache haben aber alle gleich gern: das TV.

Die Untersuchung mit dem Titel „Studie zum Status der Familienstruktur in der Türkei“ wurde vom Ministerium für Familie und Soziales durchgeführt und umfasst die Antworten von 10,362 männlichen und 13,017 weiblichen Personen aus insgesamt 12,056 türkischen Familien.

Wie das Ministerium in seiner Untersuchung angibt, liegt die Rate der Befragten, die über 18 Jahre waren und erklärten, noch nie in ihrem Leben Alkohol konsumiert zu haben, bei 82.5 Prozent. 93.8 Prozent von ihnen geben sogar an, noch nie in einer Bar oder in einem Nachtclub gewesen zu sein. Der Anteil derjenigen, die solche Lokalitäten gelegentlich aufsuchen, lag bei 5.2 Prozent. Nur ein Prozent erklärte, öfter in solchen Örtlichkeiten zu verkehren. Ein Blick auf die Umfrageergebnisse zeigt zwar, dass die meisten Befragten dem Alkohol abgeschworen haben, doch eine der Gesundheit zuträgliche sportliche Betätigung steht für viele von ihnen ebenfalls nicht auf der Agenda. So gaben 68.4 Prozent von ihnen an, noch nie trainiert zu haben.

Türkische Freizeitbeschäftigung: Theater nein, Fernsehen ja

Aber auch Kultur scheint nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der Familien zu gehören. 44 Prozent der Befragten wollen noch nie gelesen haben. Und wie steht es mit Theater oder Kino? Auch hier verneinen ganze 74.7 Prozent. Nur 22 Prozent geben an, dort manchmal zu sein und nur 3.3 Prozent sind hier öfter anzutreffen.

Ganz anders gestaltet sich jedoch das Bild, wenn es um den TV-Konsum geht (die türkische Filmindustrie hat vor allem die Frauen für sich entdeckt – mehr hier): Nur 8.1 Prozent sagen, dass sie niemals fernsehen würden. Die restlichen 91.9 Prozent sitzen vor dem Fernseher. Und das nicht zu knapp: 18.6 Prozent geben an, bis zu eine Stunde pro Tag zu schauen, 55.9 Prozent wollen eine bis drei Stunden vor der Glotze verbringen. 22.1 Prozent geben an, vier bis sechs Stunden am Tag in die Röhre zu sehen und 3.4 Prozent unter ihnen schaffen sogar mehr als sieben Stunden täglich. Auf die Frage, welche TV-Inhalte sie am meisten stören, erklären 46.9 Prozent, dass dies vor allem bei explizit sexuellen Inhalten der Fall sei. 15.5 Prozent mögen hingegen keine Gewalt, 14.1 Prozent lehnen eine unhöfliche und beleidigende Sprache ab, während 9.9 Prozent angeben, etwas gegen tendenziöse Nachrichten und Standpunkte zu haben. Auch Werbung kommt bei 9.6 Prozent nicht besonders gut an (der türkische TV-Star Kıvanç Tatlıtuğ wirbt jetzt für Magnum – mehr hier).

Familien: Mittleres Einkommen und kaum Scheidungen

Und wie sehen sich die Familien hinsichtlich ihres sozialen Status? 78.7 Prozent definieren sich selbst als Familien mit mittlerem Einkommen, wohingegen sich nur 4.4 Prozent als Besserverdienende bezeichnen. 16.9 Prozent sehen sich hingegen als Geringverdiener. Internet gibt es derzeit in 34.2 Prozent der teilnehmenden Haushalte. 13.8 Prozent von ihnen nutzen das Web täglich, das sind 17.9 Prozent der männlichen und 9.6 Prozent der weiblichen Umfrageteilnehmer.

Abgerundet wird das Bild des Ministeriums durch Zahlen zu Ehe und Beziehung. Demnach endete für fünf Prozent aller Befragten die erste Ehe mit einer Scheidung (Gewalt ist für 20 Prozent der türkischen Damen allerdings kein Grund, die Ehe zu beenden – mehr hier). Für 11.5 Prozent unter ihnen ging auch der zweite Versuch schief,  28.5 Prozent scheiterten im dritten und  55.7 Prozent sogar im vierten Versuch bzw. 27.8 Prozent im fünften. Der häufigste Grund für eine Scheidung lag bei 27,3 Prozent der Fälle an der Gleichgültigkeit eines Ehepartners sowie an unverantwortlichen Taten. Auf die Frage, was sie am meisten an ihrem potentiellen Ehemann schätzen würden, antworteten 90.9 Prozent der Damen: einen guten Job.

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