Inzesthochzeit in Istanbul: Jetzt ermitteln die Behörden

Der Fall eines 30-jährigen Mannes aus Istanbul, der seine eigene Nichte zur Frau genommen hat, rief jetzt die Kriminalpolizei auf den Plan. Aufgeflogen war die ganze Geschichte, nachdem die Familie der Braut beim Standesamt nachgeforscht hatte. Sie reichte Beschwerde gegen die Beamten, die die Ehe ermöglicht haben, ein.

Der Bräutigam, der von den türkischen Medien lediglich als F.K. bezeichnet wird, heiratete die 24-jährige Universitätsstudentin Ş.K. bereits im September 2010 in Bağcılar, İstanbul. Nur durch einen Zufall hatten die Eltern ganze vier Monate nach der Eheschließung erfahren, dass ihre Tochter verheiratet sei. Als sie diese damit konfrontierten weigerte sie sich jedoch, ihnen zu erzählen, wer eigentlich ihr Ehemann sei. Am nächsten Tag war das Paar dann verschwunden.

Die ganze Wahrheit erfuhr die Familie erst als sie sich selbst auf Spurensuche begab und sich beim hiesigen Standesamt erkundigte. Sichtlich geschockt, forderten sie, dass die Ehe zwischen Onkel und Nicht umgehend annulliert werden sollte. Gegen die Beamten, die die Ehe ermöglicht hatten, erstatteten sie Anzeige (ein Happy End gab es hingegen für zwei syrische Schwester, die sich im Flüchtlingslager in zwei türkische Brüder verliebten – mehr hier).

Inzestiuöse Ehe: Hat das Standesamt versagt?

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft entschieden, dass die Ehe trotz der offiziellen Zeremonie ungültig ist. Gegen den Chef des Standesamts in Bağcılar sowie den Chef der Gemeindeverwaltung, der offenbar sein Ok für die Eheschließung gegeben hatte, wurde eine entsprechende Untersuchung eingeleitet. Rückendeckung bekommen die Beamten jedoch aus dem Büro des Gouverneurs von Bağcılar. Seiner Meinung nach sollte den beiden keinerlei Strafverfolgung drohen. Schließlich sei es für beide unmöglich gewesen auszumachen, dass die beiden miteinander verwandt seien (die Hochzeit einer 13-Jährigen konnte in letzter Minute verhindert werden – mehr hier).

Rechtsexperten teilen seine Auffassung allerdings nicht. Sie erklären, dass den betreffenden Beamten wegen Schließung einer inzestuösen Ehe bis zu zwei Jahre Haft drohen könnten. „Es ist das erste Mal, dass ich mitbekommen habe, dass eine inzestuöse Ehe vom Staat legitimiert wurde“, so Kahraman Eroğlu, Bürgermeister des Istanbuler Stadtteils Şişli. „Wenn das Standesamt nicht in der Lage ist Verwandte zu identifizieren, ist dies ein schwerwiegender Mangel. Das sollte umgehend gelöst werden.“
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