1. Mai in der Türkei: Zehntausende Arbeiter gehen auf den Straßen

Nicht nur in Deutschland, auch in der Türkei haben an diesem Dienstag, den 1. Mai, Zehntausende Menschen im gesamten Land den "Tag der Arbeit" begangen. Bereits am Morgen starteten zahlreiche Kundgebungen. Auf riesigen Bannern forderten die Teilnehmer mehr Jobs und bessere Arbeitsbedingungen.

Vor allem der Istanbuler Taksim-Platz ist für die Maifeierlichkeiten von besonderer symbolischer Bedeutung. Am 1. Mai 1977 wurden hier 34 Menschen während einer Versammlung getötet als aus einem nahegelegenen Gebäude Schüsse auf die Versammlung abgegeben wurden. Sicherheitskräfte und gepanzerte Fahrzeuge bahnten sich darauf hin ihren Weg auf den Platz. Die Intervention löste eine Panik aus, bei der zahlreiche Menschen Verletzungen davon trugen.

Gewerkschaften und Vereinigungen versammeln sich in Istanbul, Ankara und Bursa

An diesem Morgen versammelten sich die Menschen an drei verschiedenen Orten, um in Richtung Taksim-Platz zu marschieren (die Arbeitslosenrate in der Türkei steigt wieder – mehr hier). Eine Gruppe – darunter auch Mitglieder der Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften (DİSK) sowie unter anderem aus dem Energie- und Schauspielsektor – versammelte sich am Hauptquartier der DİSK im Distrikt Şişli, um von dort aus zum Taksim-Platz aufzubrechen. Eine weitere Gruppe von Teilnehmern – darunter auch Mitglieder der Türkischen Gewerkschaft der Ingenieure und Architekten (TMMOB) und der TKP – versammelten sich in Beşiktaş, um gegen 11 Uhr am Vormittag Richtung Zentrum aufzubrechen. Eine dritte Gruppe traf sich schließlich in Şişhane, darunter Mitglieder der KESK (das Bündnis der Gewerkschaften der Angestellten des öffentlichen Dienstes) und Unterstützer der Partei der Freiheit und Solidarität, der sich auch eine Gruppe von Feministinnen anschloss.

Polizei in Ankara setzt Tränengas ein

Doch nicht nur in Istanbul, auch in Ankara wurde der „Tag der Arbeit“ von zahlreichen Organisationen begangen. Dort trafen sich Mitglieder des Hak-İş (Bund der türkischen Gewerkschaften) und des Memur-Sen (Bund der Beamtengewerkschaften) auf dem Tandoğan-Platz. Eine weitere Versammlung fand auf dem Sıhhiye-Platz statt. Dort kam es auch zu einem unschönen Zwischenfall. Weil eine Gruppe von Demonstranten eine Polizeisperre durchbrechen wollten, um zu den anderen Kundgebungsteilnehmern zu gelangen, wurden diese von den Beamten mit Tränengas angegriffen. Insgesamt 4000 Polizisten waren an diesem Dienstag allein in Ankara im Einsatz – 14.000 taten in Istanbul ihren Dienst.

Großangelegte Feierlichkeiten gab es aber auch in Bursa, wo Mitglieder der türkischen Gewerkschaft Turk-İş und der Kamu-Sen zusammenkamen. Mit im Gepäck hatten sie auch Banner mit eindeutigen Botschaften: Sie forderten bessere Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechte.

Zum ersten Mal in der türkischen Geschichte beteiligte sich an den Maikundgebungen auch eine Vereinigung namens „Muslimische Antikapitalisten“, die sich anderen linken Gruppierungen auf dem Istanbuler Taksim-Platz anschloss. Sie versammelten sich vor ihrem Aufbruch zum Platz zu einem Gebet an der Fatih Moschee.

Erdoğan wünscht sich friedliche Atmosphäre und Solidarität

Auch Premier Recep Tayyip Erdoğan wandte sich an die Bevölkerung. Er wünschte allen Bürgern einen schönen ersten Mai und erklärte: „Wir blicken seit den Anfängen unserer Regierung auf die Probleme der Arbeiter als wären es unsere eigenen Sorgen. Ich hoffe, dass Maifeiertag in einer freundlichen Atmosphäre und in Solidarität gefeiert wird.“  (insgesamt sollte der Zustand der türkischen Wirtschaft mit Argusaugen beobachtet werden. Auch sie ist vor einer Krise nicht gefeit – mehr hier) Faruk Çelik, Minister für Arbeit und Soziale Sicherheit, unterstrich in diesem Zusammenhang noch einmal die Bedeutung des ersten Mais. Er sei mittlerweile zu einem Tag für die Arbeiter auf der ganzen Welt geworden, deren Arbeitsbedingungen immer demokratischer gestaltet werden müssen (aus Angst um einen Jobverlust tolerieren viele Türken Mobbing am Arbeitsplatz – mehr hier).

Mehr zum Thema:

2 Milliarden Dollar Umsatz in einem Jahr: Türkische Damenfriseure auf dem Vormarsch
Report: Die Türkei ist zu reich für EU-Entwicklungshilfen
Türkische Top-Steuerzahler 2011: Koç Familie musste am meisten abgeben

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.