Bildungsministerium: Türkische Schüler dürfen vor ihrem Abschluss heiraten

Heiraten noch vor Beendigung der Schulzeit? Mit einer neuen Verordnung des türkischen Bildungsministeriums soll das künftig möglich sein. Noch ist die Regelung allerdings nicht in Kraft.

Derzeit arbeitet das Bildungsministerium an einem Reformpaket, das zahlreiche neue Regelungen für türkische Gymnasiasten bereithält. Änderungen ergeben sich hinsichtlich des Abschlusses, der Bewertungen, in Bezug auf Fehlzeiten und bezüglich des Vorrückens in die nächste Klassenstufe. Doch nicht nur der Unterricht an sich wird bedacht. Im Zuge der Neuregelungen ergeben sich auch neue sozialrechtliche Vorschriften.

Demnach könnten Schülerinnen und Schüler – anders als bisher – künftig noch vor Abschluss ihrer Schulausbildung heiraten. Im Augenblick werden Schülerinnen und Schüler, die sich vor Beendigung ihrer Ausbildung das Jawort geben, der Schule verwiesen (die Heirat einer 13-Jährigen wurde Mitte Januar von der Polizei gesprengt – mehr hier). Dank der neuen Regelung könnten genau sie ihre Ausbildung in Zukunft auch beenden. Eine Sache ändert sich allerdings nicht: Schülerinnen und Schüler, die bereits verheiratet sind, können sich auch nach den neuen Regularien nicht in einer Schule anmelden (bei der schwangeren Elfjährigen wurde die Hochzeit nicht verhindert – mehr hier).

Sorge: Schülerinnen und Schüler heiraten viel zu früh

Das Bildungsministerium hat bereits einen Entwurf seines Reformpaketes zu nichtstaatlichen Bildungsorganisationen und Gewerkschaften geschickt, um sie nach ihrer Meinung zu befragen. Bereits vor in Kraft treten haben die neuen Regelungen auch für Debatten unter Pädagogen gesorgt. Einige sind der Ansicht, dass damit früh geschlossenen Ehen deutlich Vorschub geleistet werden könnte. So auch İsmail Koncuk von der Gewerkschaft der Bildungseinrichtungen (Türk Eğitim-Sen). Er ist der Ansicht, dass dadurch noch mehr junge Leute derart früh den Bund fürs Leben schließen. Diejenigen von der Schule zu verweisen, die bereits verheiratet sind, sei als abschreckende Maßnahme zu begreifen, um genau einem solchen Schritt vorzubeugen. Das sollte nicht abgeschafft werden. „Schüler, die noch während ihrer Schulzeit heiraten wollen, sollten alternativ am Fernunterricht teilnehmen“, so seine Auffassung.

Wie Bildungsminister Ömer Dinçer noch einmal betonte, sei das Reformpaket allerdings noch nicht in Kraft. Alle Debatten und gegensätzlichen Meinungen, die derzeit geäußert würden, seien daher völliger Unsinn. Gegenüber den Journalisten kündigte er an, dass man die Details mitteilen und sich auch den Fragen stellen werde, sobald die endgültige Version des Pakets erstellt worden wäre.

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