Weitere Gewalttaten geplant: Muslime warnen vor Teilnahme an Salafisten-Demo

Nachdem es am Sonntag bereits zu schweren Ausschreitungen auf einer Demonstration von Salafisten kam, distanzieren sich Muslime nun von dieser extremistischen Gruppierung. Sie warnen öffentlich davor, an der Kundgebungen am Dienstag teilzunehmen. Auch an diesem Tag wird erneut mit Gewalttaten gerechnet.

Am Dienstag findet wieder eine Pro NRW Kundgebung in Köln Ehrenfeld statt. Um weitere Ausschreitungen zu verhindern, ist es bekannten Salafisten untersagt, das Stadtgebiet zu betreten, denn die Behörden wissen bereits von weiteren geplanten Gewalttaten. Die Distanzierung der Mehrheit der Muslime von der radikalen Gruppe der Salafisten wird dabei immer deutlicher (sie sprachen sich auch vermehrt gegen die Koranverteilung der Salafisten im April aus – mehr hier). Die Salafisten selbst starten allerdings weitere Aktionen.

In einem Video auf YouTube ruft ein „Abu Talha“ dazu auf, zu der Kundgebung in Köln zu kommen und seine Botschaft weiter im Internet zu verbreiten. Über 8.000 Aufrufe hat seine Videobatschaft bereits. Es sei die Pflicht eines jeden Muslims an der Demo teilzunehmen, um den Propheten zu verteidigen. Die drohende strafrechtliche Verfolgung der Salafisten, die trotz des Verbots der Polizei kommen ist ihm nicht wichtig. „Diese 500 Euro Strafe oder die Gefangenschaft von einem Monat oder einem Jahr sind nichts gegen Allahs Strafe. Ihr seid verpflichtet als Muslime den Propheten zu verteidigen“, so Abu Talha (über YouTube wurden wegen der Berichterstattung über die Koranverteilung der Salafisten Journalisten bedroht – mehr hier).

Bei der Demo am vergangenen Sonntag in Bonn kam es zu schweren Ausschreitungen, bei denen 29 Polizisten verletzt wurden. Wieder hatten sich Salafisten zusammengefunden, um gegen die Pro NRW-Wahlkampagne zu demonstrieren. Gegen einen 25-Jährigen Salafist wurde anschließend wegen geplantem Polizistenmord Haftbefehl erlassen. Zwei verletzte er mit Messerstichen schwer.

Kölner Imam warnt Jugendliche vor Teilnahme

Junge Muslime reagieren via Facebook auf die Ausschreitungen. Sie warnen davor, an den Gegendemos teilzunehmen. Eine Gruppe Kölner Muslime interviewte kurzerhand Imame in NRW. Einer von ihnen ist Selman Aydin aus Köln. Er verurteilt die Taten in einer Videobotschaft entschieden und stellt klar, dass Gewalt nicht zum Islam gehöre. „Sie wissen nicht, was sie tun“, sagt er über die Salafisten. „Der Islam ist ein Zeichen des Friedens, auch wenn man versucht, das Gegenteil zu beweisen“, erklärt Aydin weiter. Natürlich lehne er auch die Provokation von Pro NRW ab, doch er sei sich sicher, dass das auch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung tue. „Ich appelliere an alle Jugendlichen, nicht an dieser Demonstration teilzunehmen“, so Aydin abschließend.

„Wir verurteilen die Gewaltanwendung bei den Demonstrationen in aller Form und distanzieren uns ausdrücklich von gewaltbereiten Muslimen, die zur Selbstjustiz anstacheln und die Polizei angreifen“, so Nurhan Soykan, Generalsekräterin des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). Der ZMD hat zudem gegen die Aktionen von Pro NRW Strafanzeige erstattet.

Die DITIB, die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. fühlt sich besonders aufgrund der Pro NRW-Wahlkampagne provoziert. Pro NRW hatte auf ihren Kundgebunden Karikaturen des muslimischen Propheten Mohammed gezeigt. Auch in Köln haben sie das wieder vor.

„Die Szenarien der letzten Tage, gerade in Hinblick auf das historische Datum der letzen Kundgebung, zeigt uns einmal mehr, dass weit nach dem Kriegsende zum 8. Mai ´45  rechte Umtriebe und Gesinnung heute immer noch existent sind und als solche nicht hinreichend thematisiert, bekämpft werden.“, so die DITIB in einer Erklärung.

http://www.youtube.com/watch?v=OLQR76wxwgg

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