TV-Doku: So ist das Museum von Orhan Pamuk entstanden

Vor kurzem hat Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk sein "Museum der Unschuld" ("Masumiyet Müzesi") in Istanbul eröffnet. Wie das jüngste Museum der Stadt, das seine Besucher mit 4213 aufgespießten Zigarettenkippen empfängt, entstanden ist, das beleuchtet am kommenden Donnerstag eine Dokumentation im türkischen Fernsehen.

Das Museum, das nach Orhan Pamuks gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2008 benannt ist, findet sich in Istanbuls ehemaligem Arme-Leute-Viertel Beyoglu, in einem roten Eckhaus an der Cucurkuma Caddesi, Ecke Dagic Cikmazu – unweit Pamuks eigener Stadtwohnung, in dem auch weite Teile des Romans entstanden sind. Gestaltet wurde das bereits 1999 erworbene Haus vom deutschen Architekt Gregor Sunder Plassmann, der ein echtes Schmuckkästchen entstehen ließ, in dem sich die Besucher auf die Spuren der Romanfigur Füsun und ihres Ex-Geliebten Kemal, aber auch eine Zeitreise durch das Istanbuler Leben der 60er und 70er Jahre begeben können.

Demet Haselçin begleitet Orhan Pamuk seit 1999

Doch nicht nur die lassen sich seit der Eröffnung vom besonderen Charme der Einrichtung einnehmen. Auch Demet Haselçin begibt sich mitten hinein, um das Haus in einem Dokumentarfilm auch für das TV-Publikum interessant zu machen. Wie ist das Museum eigentlich entstanden? Wie werden die Roman-Charaktere hier wieder lebendig? Wie gibt sich Orhan Pamuk selbst? Die Produzentin und Regisseurin von TRT geht diesen Fragen gewissenhaft nach.

Weit geht Haselçin zurück, bis Ende des Jahres 1999, als sie von Pamuk angerufen wurde, um eine Dokumentation anzufertigen. Den Roman hatte er zu jener Zeit übrigens noch nicht einmal begonnen. „Dieser Anruf veränderte mein Leben“, erinnert sie sich heute zurück. Damals war sie Produzentin und Regisseurin eines Literaturprogramms auf TRT 2 mit dem Titel „Okudukça“. Pamuk habe sie angerufen und mit ihr über seine Pläne für den Roman und das Museum gesprochen. Er wollte, dass sie den gesamten Entstehungsprozess von Anfang an festhalte. 2000 fiel dann auch der Startschuss. „Zu jener Zeit dachte ich, dass ich das Material für mein Literaturprogramm nutzen würde, das nun schon vor vier Jahren eingestellt wurde“, so Haselçin weiter. 2002 dann die Zäsur – Pamuk legte das Projekt vorerst auf Eis. Er hatte andere Sorgen. Gegen ihn liefen einige Klagen und zudem hatte seine Literaturklasse an der Columbia begonnen. Erst 2010 nahm er die Arbeiten wieder auf. Die Regisseurin wandte sich an TRT-Chef Ümit Sezgin, der das Projekt wie sie mit Feuereifer unterstützte. Nur deshalb, davon ist die Macherin überzeugt, hätte der Film nun einen solchen Tiefgang erhalten können.

Roman „Museum der Unschuld“ fließt in Dokumentation ein

Was dabei heraus gekommen ist, klingt so spannend wie das Museum selbst. Wie im roten Eckhaus, so ist auch hier, Dank der zweiten Regisseurin Pınar yakışıklı, die Sruktur des Romans zu finden. Doch nicht nur das: Unmittelbar erleben die Zuschauer Orhan Pamuks intensive und vor allem präzise Arbeit an jedem Detail. Angefangen bei einer kleinen Anzeige bis hin zum fertigen Museumskatalog, den er natürlich selbst erstellte. Der Autor hatte eine Obsession – er will das perfekte Museum bauen.

60 Minuten lang kann ihn das Fernsehpublikum dabei begleiten. Das ist die Quintessenz aus 20 Stunden Filmmaterial, das Haselçin und Yakışıklı binnen zwei Monaten in Form gebracht haben. Die Auswahl, das gestehen beide ganz unumwunden, sei nicht immer leicht gewesen. Immerhin sei der Stoff aus zwölf Jahren zusammengetragen worden und manchmal hätte es auch eines harten Schnitts bedurft. Ob dieser gelungen ist, das muss nun das TV-Publikum entscheiden.

Hier die Eröffnung durch den Autor Ende April 2012:

Orhan Pamuks „Museum der Unschuld“ in Istanbul ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und Freitag bis 21 Uhr geöffnet. Die Dokumentation von Demet Haselçin wird am Donnerstag, den 10. Mai um 21 Uhr auf TRT ausgestrahlt bzw. auf der Internetseite des Senders zu sehen sein.

Mehr zum Thema:

Ayşe Kulin: Sie ist die bestverdienendste Autorin der Türkei
Orhan Pamuk: Hat er einen Sohn in Deutschland?
“Wer schreibt, lebt gefährlich”

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.