Wieder Attacke gegen türkischen Arzt: Mediziner hatte eigentlich gute Neuigkeiten

Es ist noch keinen Monat her, dass in der Türkei Tausende Ärzte auf die Straße gingen, um gegen den Tod ihres jungen Kollegen zu protestieren. Der Herz-Thorax-Chirurg Ersin Arslan wurde ermordert, weil ein Patient auf seinem Tisch verstarb. Jetzt kam es zu einem weiteren Übergriff. Der Mediziner überlebte.

Das Misstrauen eines Vaters in die Medizin muss riesig gewesen sein: Obschon ihm der behandelnde Arzt seines Sohnes eigentlich gute Nachrichten überbrachte, griff er diesen an und verletzte ihn schwer. Der Neurochirurg Mehmet Cengiz Çepoğlu vom privaten Medical Park Krankenhaus in Turhal im Distrikt Tokat hatte die Familie eines Patienten darüber unterrichtet, dass der Junge anders als befürchtet keinen Tumor in seinem Gehirn hätte. Alles Lüge, so die Ansicht des besorgten Vaters. Die Folge für den Chirurgen: Auf Grund der Attacke kann er für mindestens einen Monat nicht operieren.

Vater und Sohn hatten Ärzte-Odysee hinter sich

Aslan Gani A. und sein 13-jähriger Sohn hatten zuvor eine wahre Ärzte-Odysee hinter sich. Der Junge, so berichten die türkischen Medien, habe über einen langen Zeitraum gleich eine ganze Reihe an Krankenhäusern von innen gesehen. Und eigentlich stand für die Familie die schreckliche Diagnose bereits fest: Ärzte hatten bei T.A. einen Gehirntumor entdeckt und ihn nach Turhal zur Behandlung überwiesen. Doch dann die Überraschung: Dr. Çepoğlu konnte die Ansicht seiner Kollegen nicht teilen. Was da im Gehirn des Buben wuchs, war absolut kein Tumor, sondern Gliose, eine Vernarbung des Hirngewebes, verursacht durch eine Wucherung von Zysten (im Fall des Herz-Thorax-Chirurgen Ersin Arslan, aus der südöstlichen Provinz Gaziantep gab es keine guten Nachrichten – mehr hier).

Die von Çepoğlu überbrachte Nachricht muss für den Vater, der lange an eine schwere Krankheit seines Sohnes geglaubt hatte, wie ein Schock gewesen sein. Zunächst schien sich die Familie sehr über die positive Entwicklung zu freuen. Doch, so gab der Arzt später gegenüber der Polizei zu Protokoll, nach einer halben Stunde wendete sich das Blatt. Der Vater kam wieder und erklärte ihm: „Hören sie auf mit dieser Gliose-Sache. Wir werden eine Beschwerde gegen sie einreichen.“ Darauf hin schrieb der Arzt ihnen die Diagnose auf, damit die Familie diese im Internet nachrecherchieren könnte. Doch zu spät: Der Vater ging auf ihn los und brach ihm dabei sowohl Nase als auch eine Hand. Nur eingreifende Kollegen des Arztes konnten der Attacke Einhalt gebieten und Aslan Gani A. von der Polizei verhaftet werden.

Neurochirurg muss nun selbst unters Messer

Mehmet Cengiz Çepoğlu muss sich nun auf Grund seiner schweren Handverletzung einer Operation unterziehen. „Einen Monat lang werde ich nicht in der Lage sein zu operieren“, so der Neurochirurg. Dabei hätte er Patienten auf der Intensivstation, die sofort in den OP müssten. Auch die Krankenhausleitung bedauert den Vorfall sehr. Ob sie gegen den Vater Anzeige erstatten wird, ist unklar (erst Ende April gingen Tausende Ärzte auf die Straße, um auch für mehr Sicherheit in türkischen Krankenhäusern zu protestieren – mehr hier).

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