Keine saudischen Frauen bei Olympia: Geschlechtertrennung soll vor Protesten schützen

Für den saudischen Großmufti Scheich Abdulaziz Al-Scheich sind die Proteste in Ländern des Arabischen Frühlings ein Resultat der Sünden der Öffentlichkeit. Zu diesen Sünden gehören nach Meinung eines seiner Kollegen auch die Vermischung der Geschlechter bei Sportveranstaltungen. Saudi Arabien steht gerade mächtig unter Druck auch weibliche Athletinnen in seine Olympischen Mannschaften aufzunehmen.

Saudische und ultra-konservative Imame haben in getrennten Erklärungen vor einer Vermischung von Sport, Politik und Protesten gegen autokratische Regime gewarnt. Ihre Appelle ergeben sich vor dem Hintergrund der Bemühungen Saudi-Arabiens das Land vor der Welle an Volksaufständen, die sich über den Mittleren Osten und Nordaufrika ausgebreitet haben zu schützen (gerade die Jugend blickt voller Bewunderung in die Länder des Arabischen Frühlings – mehr hier), aber auch wegen des Drucks auf das Königreich Frauen das erste Mal zu erlauben, an internationalen Turnieren während der Olympischen Sommerspiele in London teilzunehmen.

Imam: Vermischung der Geschlechter beim Sport ist Sünde

So warnt der saudische Großmufti Scheich Abdulaziz Al-Sheikh in der hiesigen Zeitung „Al Watan“, dass die Proteste, die bereits die Staats-und Regierungschefs von Ägypten, Libyen, Tunesien und dem Jemen gestürzt und Syrien an den Rand eines Bürgerkriegs getrieben hätten, eine Folge der Sünden der Öffentlichkeit seien (ein anderer saudischer Großmufti ist sogar überzeugt, dass Zehnjährige heiraten könnten – mehr hier). Zu diesen Sünden, so stimmt Imam Abu Abdallah von der As-Sunnah Moschee in Kissimee, Florida, ein, gehöre aber auch die Vermischung der Geschlechter bei Sportveranstaltungen. „In der Vergangenheit waren es nur Männer, jetzt ist es in den Stadien fast Hälfte und Hälfte. Allah weiß, was danach passiert. So oder so ist es schlimm. Entweder gehen die Menschen aus, um zu feiern und zu trinken. Und wenn sie das nicht tun, gehen sie raus, um zu protestieren. Sie sind wütend und sie zerstören Eigentum und sie zerstören Autos und zerstören Geschäfte. So oder so ist das verboten. Dinge müssen in Maßen geschehen“, so der Imam. Das seien die Dinge, die auch mit dem Sport verbunden seien. Gläubige müssten hier vorsichtig sein. Es sei, so fährt er fort, nichts falsch daran, seinen Lieblingssport auszuüben oder ihm zuzusehen, solange man sich an die Normen halte.

Prinz Nawaf Bin Faisal brüskiert IOC-Chef Rogge

Die Worte des Imams kommen nicht von Ungefähr. Ursprünglich sollte Saudi Arabien in diesem Jahr erstmals auch Frauen zu den Olympischen Spielen, die in wenigen Wochen in London beginnen, entsenden. Alles schien unter Dach und Fach. Doch Anfang April dann die Wende: IOC-Mitglied Bin Faisal brüskierte den Präsidenten Jacques Rogge. Auf einer Pressekonferenz erklärte Prinz Nawaf Bin Faisal, dass sein Nationales Olympisches Komitee (NOK) überhaupt nicht die Absicht habe, Frauen nach Großbritannien zu schicken und schlug damit die in der olympischen Charta festgeschriebene Gleichheit der Geschlechter, auf die sich Rogge immer wieder beruft, in den Wind. Konkret erklärte er gegenüber den Journalisten in Dschidda: „Wir billigen im Moment die Teilnahme von saudischen Frauen an Olympischen Spielen oder internationalen Meisterschaften nicht.“ Es gäbe, so fuhr er fort, keine Pläne der Regierung, Frauen in dieser Hinsicht zu unterstützen. Ein Schlupfloch gibt es jedoch: Frauen könnten, so der Prinz, auf eigene Initiative an den Spielen teilnehmen. Die NOK würde dann sicherstellen, dass ihre Teilnahme nicht das islamische Gesetz der Scharia verletze.

Nicht wenige fordern seither einen Ausschluss Saudi Arabiens von den Olympischen Spielen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verlangte dies mit Hinweis auf die olympische Charta bereits im vergangenen Februar – ganz so, wie man es 1999 bereits mit Afghanistan getan hätte. Anders ist die Stimmung übrigens in Qatar und Brunei. Auch diese Nationen haben noch niemals eine Frau zu den Olympischen Spielen zugelassen. Offenbar sind sie jedoch dazu bereit für 2012 Athletinnen zu nominieren. Damit hätte Saudi Arabien mit seiner Haltung eine weltweite Alleinstellung.

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