Schluss mit den Klischees: Türken und Griechen müssen sich die Hände reichen

Die Türkei erreichen dieser Tage warme Worte aus dem nahen Griechenland. Eine ranghohe Vertreterin der griechischen Politlandschaft erklärte, dass Türken und Griechen zu viele Gemeinsamkeiten hätten, als dass man die historischen Probleme, die im Laufe der Jahre zu Stereotypen geworden wären, nicht gemeinsam überwinden könnte.

„Die Türkei und Griechenland müssen Partner sein. Sie haben zu viel gemeinsam, um eine nutzlose Konfrontation zu riskieren“, ist Rena Dourou, Europaverantwortliche der Linkspartei Synaspismos, Teil der Koalition der Radikalen Linken SYRIZA, überzeugt. Ihr Bündnis brachte es bei den Wahlen am letzten Sonntag mit 16.7 Prozent auf Platz zwei und erhielt 52 Sitze.

Alexis Tsipras, Chef des linksradikalen Syriza-Bündnisses, hatte am vergangenen Dienstag das Mandat erhalten eine Regierung zu formen, einen Tag, nachdem es Wahlsieger Antonis Samaras, Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND), nicht gelang, genügend Unterstützung von anderen Parteien zu erhalten. Der 38-jährige Tsipras, der die Bedingungen des bisherigen Rettungspakets ablehnt, hatte in den darauffolgenden Tagen versucht, eine Regierung zu bilden. Einfach gestaltete sich dieses Vorhaben allerdings nicht. Er hatte die Bildung einer breiten Regierung angeboten, die aber alle Sparmaßnahmen auf Eis legen solle. Dies wurde von Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos jedoch abgelehnt. An diesem Wochenende dann die Ernüchterung. Auch Venizelos scheiterte. Er warf nach einem Treffen mit Alexis Tsipras das Handtuch: Die Koalitionsverhandlungen in Griechenland sind auch zum dritten Mal geplatzt. Das Land steht nur eine Woche nach der Wahl vor einer Neuwahl im kommenden Juni.

Dourou: Türkei muss demokratische Reformen fortführen

Ist nun aber dennoch die Zeit der türkisch-griechischen Annäherung gekommen? Wenn es nach Dourou geht, stehen die Chancen günstig. Ihrer Ansicht nach sei die Synaspismos seit jeher eine politische Kraft, die sich um Wege bemühe, Vertrauen zwischen der Türkei und Griechenland zu schaffen. Ebenso ist sie der Meinung, dass die Türkei ihre demokratischen Reformen fortführen und weiterhin eine Aufnahme in die EU verfolgen müsse. „Dank Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, der in langer Arbeit eine neue politische Konfiguration erschaffen hat, können die Menschen in Ägypten, Tunesien und Libyen vom Vorbild Türkei träumen.“ (Ägypten schlägt jedoch einen ganz anderen Weg ein – mehr hier) Dourou unterstrich, dass die Türkei eine aktive Rolle im Nahen Osten spiele – insbesondere in der Syrien-Krise und im israelisch-palästinensischen Konflikt.

In Bezug auf die Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland, sagte Dourou, dass sie erst vor Kurzem ein Buch von Melek Fırat, einem Professor der Universität von Ankara, über genau dieses Thema sowie den Zypern-Konflikt gelesen hätte. Sie selbst habe es als sehr interessant empfunden, wie verschieden historische Lesarten gleicher Ereignisse seien und wie diese die eigene nationale Interpretation prägten. „Einander zu kennen ist immer hilfreich. Und heute ist das dringlicher denn je!“

Minderheiten dürfen nicht Opfer der Wirtschaftskrise werden

Danach gefragt, wie ihre Partei die Lösung der Probleme der türkischen Minderheit in Griechenland angehen würde, erklärte Dourou, dass diese eine klare Politik bezüglich der Frage der Minderheiten verfolge (derweil finden sich immer mehr griechische Gastarbeiter in der Türkei – mehr hier). Ihre Sorgen müssten, so Dourou, durch staatliche Leistungen auf der Grundlage der Gleichheit der Rechte gelöst werden, ohne jede Art von Diskriminierung. „Wir [SYRIZA] sind uns der Tatsache sehr bewusst, dass es während der Wirtschaftskrise eine Tendenz gab, die Probleme der Minderheiten zu marginalisieren, sogar die Minderheiten selbst.“ So seien diese Minderheiten Opfer der Wirtschaftskrise geworden und dies sei in den Augen ihrer Partei absolut inakzeptabel. „Diese Krise darf nicht zum Vorwand für diskriminierende Politik gegenüber Minderheiten führen. Es ist höchst ungerecht, undemokratisch und unfair“, sagte Dourou.

Sowohl die PASOK als auch die ND hätten ihrer Meinung nach eine große Verantwortung, da gerade die türkische Minderheit Opfer ihrer diskriminierenden Politik wurde (Ende Januar wurde bekannt, dass Deutschland Griechenland unter EU-Verwaltung stellen wollte – mehr hier).

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