Amt für Religiöse Angelegenheiten: Türkische Moscheen sollen behindertengerecht werden

Manchmal sind es nur kleine Schwellen, andernorts gleich mehrere Stufen, die schier unüberwindbar erscheinen. Für Menschen mit Handicap ist es oft gar nicht so leicht eine Moschee aufzusuchen. Das türkische Amt für Religiöse Angelegenheiten will das jetzt ändern und hat entsprechende Baumaßnahmen angekündigt - landesweit.

In einer Pressemitteilung kündigte das Amt für Religiöse Angelegenheiten an, dass Zentral-Moscheen in jeder Stadt und in jedem Landkreis des Landes mit Blick auf die Bedürfnisse behinderter Bürgerinnen und Bürger umgestaltet werden sollen (das Amt hat sich vor nicht allzu langer Zeit auch in den türkischen Straßenverkehr eingemischt – mehr hier).

„Von nun an werden wir unsere Moscheen an den belebtesten Plätzen in jeder Stadt und in jedem Landkreis in der Türkei mit Rücksicht auf die Bedürfnisse unsere behinderten Bürger neu gestalten, um ihnen so ebenfalls den Besuch einer Moschee zu ermöglichen“, zitieren die türkischen Medien Prof. Mehmet Görmez, Leiter des Amtes für Religiöse Angelegenheiten.

Die Entscheidung kommt nicht von Ungefähr: Das Amt, so Görmez weiter, habe in der Vergangenheit bereits zahlreiche Anfragen behinderter Bürger erhalten, die von Schwierigkeiten beim Betreten oder beim Verlassen einer Moschee berichteten. Viele Moscheen sind klein, in älteren Gebäuden untergebracht und zumeist in einer Zeit errichtet, in der an vieles, aber nicht an eine behindertengerechte Bauweise gedacht wurde.

Nicht nur türkische Muslime mit Handicap klagen über Probleme beim Moschee-Zugang

In den USA stehen Muslime mit Einschränkungen übrigens den gleichen Problemen gegenüber. Seit gut sechs Jahren ist das Thema dort stärker im öffentlichen Bewusstsein. Denn auch in den gut 1200 Moscheen in den Vereinigten Staaten sind Menschen mit Handicap kaum in den Moscheen anzutreffen. Sie kommen schlicht nicht hinein (vor einigen Monaten war der Verdacht aufgekommen, die EU bestimme die Inhalte von Gebeten in Moscheen – mehr hier). Nur vereinzelt gibt es Rampen oder andere Hilfsmittel, die ihnen einen weitestgehend problemlosen Zugang ermöglichen. Ein Zustand, der nicht nur für Aisha al-Adawiya, Präsidentin der Interessengemeinschaft „Women in Islam“ eine nicht akzeptable Form der Diskriminierung darstellt. Meist ist diese jedoch, wie Altaf Ali, Geschäftsführer des Ortsverbands Süd-Florida des „Council on American-Islamic Relations“, weiß, nicht böswillig. Oftmals gäbe es in den Moscheen einfach nicht genügend Personal, das sich regelmäßig und intensiv um die Belange der Gemeindemitglieder kümmere. Viel passiere ehrenamtlich. 55 Prozent der US-Moscheen hätten überhaupt keine bezahlten Angestellten. Nur zehn Prozent hätten mehr als zwei feste Mitarbeiter.

Auch in Deutschland ist das Problem bekannt. Hier wurde im Jahr 2009 die erste Moschee behindertengerecht umgebaut. Damals hatte die Türkisch-Islamische Union (Ditib) Münster 360000 Euro gesammelt, um den Umbau ihrer Moschee am Bremer Platz zu finanzieren. „Die Gebetsräume waren bisher immer im Keller des Gebäudes. Das bot kaum Möglichkeiten für Integrationsarbeit“, so Ditib-Vorsitzender Mustafa Dayioglu damals zu den Beweggründen. Die Moschee wurde daraufhin nicht nur um ein Stockwerk erhöht, sondern auch mit einem Fahrstuhl versehen. Bürgermeisterin Karin Reismann zeigte sich schon im Vorfeld begeistert: „Ich bin stolz darauf, dass wir in Münster damit die erste behindertengerechte Moschee Deutschlands haben werden.“ Erstmals wurden die Räume der Mosche 1996 bezogen. Im Dezember 2009 fand das erste Gebet unter der neuen Kuppel statt.

Wie und wie umfangreich die Baumaßnahmen am Ende in der Türkei ausfallen, dazu gibt es vom türkischen Amt für Religiöse Angelegenheiten biser keine weiteren Angaben.

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