Behinderte in der Türkei: Noch immer Diskriminierung ausgesetzt

Wie eine kürzlich in der Türkei durchgeführte Umfrage ergeben hat, sind Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit noch immer Diskriminierungen ausgesetzt. Das Appell der durchführenden Vereinigung: Die allgemeine Wahrnehmung von Menschen mit Handicap muss sich dringend ändern.

Im Rahmen einer Untersuchung der Vereinigung zur Prävention und Bekämpfung von Diskriminierung behinderter Menschen mit dem Titel „Die Position Behinderter, Wahrnehmung und Diskriminierung“ („Engelli Konumlandırma ve Algı Anketi“) wurden 800 Bürgerinnen und Bürger in neun türkischen Provinzen befragt.

Türkische Schulen: Mobbing und Ausgrenzung Behinderter

Von den Befragten, die sowohl behinderte und nicht-behinderte Menschen einschlossen, erklärten diejenigen mit Behinderung, dass sie folgenden Problemen schon mindestens einmal in ihrem Leben ausgesetzt gewesen wären: 17,1 Prozent wurde der Zugang in ein Kino oder in ein Café verweigert; 8,1 Prozent hatten Schwierigkeiten eine Wohnung oder einen Laden anzumieten; 23,9 Prozent wurden schon mal beim Versuch ignoriert ein Taxi oder einen Bus zu bekommen und 4,7 Prozent erklärten, dass die zuständigen Lehrer ihre Kinder mit Handicap nicht in der Klasse haben wollten. In diesem Zusammenhang hätten es auch 13,8 Prozent schon erlebt, dass die Schulleitung ihre Kinder nicht akzeptierte. Oder genauso schlimm: 9,8 Prozent gaben an, dass ihre Kinder auf Grund einer Behinderung in der Schule Opfer von Mobbing geworden seien.

Und wie steht es mit den Erfahrungen und Einstellungen Nicht-Behinderter? 58,6 Prozent der Befragten erklärten, dass sie in Sorge wären, wenn ihre Kinder eine Lehrerin oder einen Lehrer mit Handicap hätten. 59,3 Prozent könnten sich zudem nicht vorstellen einen Menschen mit Behinderung zu heiraten. 46,7 Prozent von ihnen sehen diese als schwach und hilfsbedürftig an.

Der Projektkoordinator der Vereinigung, Süleyman Akbulut, erklärte hierzu gegenüber der türkischen Zeitung „Radikal“, die die Ergebnisse veröffentlichte: „Die Wahrnehmung und die Herangehensweise an Menschen mit Behinderung muss sich ändern.“ Sein Vorschlag zur Verbesserung der Situation: „Die Lehrpläne in den Schulen sollten Kurse beinhalten, die aufzeigen, wie man Behinderte mit Respekt behandelt.“

Amt für Religiöse Angelegenheite lässt Moscheen umbauen

Doch ob das alleine reicht? Ein gutes Signal in die richtige Richtung gab es am vergangenen Wochenende vom Amt für Religiöse Angelegenheiten. Dieses hatte nach zahlreichen Anfragen aus der Bevölkerung reagiert und landesweite Baumaßnahmen an den zentralen Moscheen angekündigt. “Von nun an werden wir unsere Moscheen an den belebtesten Plätzen in jeder Stadt und in jedem Landkreis in der Türkei mit Rücksicht auf die Bedürfnisse unsere behinderten Bürger neu gestalten, um ihnen so ebenfalls den Besuch einer Moschee zu ermöglichen”, so Prof. Mehmet Görmez, Leiter des Amtes für Religiöse Angelegenheiten (Einzelheiten der Baumaßnahmen sind noch nicht bekannt – mehr hier)

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