Mutter sein in der Türkei: „Save the Children“ listet das Land auf Platz 47

Ob hier ein einfacher Blumenstrauß viel ausrichten kann? Die internationale Kinderrechtsorganisation "Save the Children" hat pünktlich zum "Muttertag" am vergangenen Sonntag ihr jüngstes Ranking zur Situation von Müttern auf der ganzen Welt veröffentlicht. Darin aufgezeigt sind "die besten Länder, um Mutter zu sein". Die Türkei kam hier auf Platz 47.

Der beste Platz für Mütter und Kinder: An Norwegen kommt die Türkei noch lange nicht heran. (Foto: Charles Fred/flickr)

Der beste Platz für Mütter und Kinder: An Norwegen kommt die Türkei noch lange nicht heran. (Foto: Charles Fred/flickr)

“Save the Children” hat damit seinen nunmehr 13. Bericht in dieser Sache vorgelegt. Insgesamt werden im so genannten “State of the World’s Mothers Report” 165 Länder einbezogen und dort die Lebenssituationen der Mütter verglichen. Dabei kam die Türkei nicht nur auf Rang 47, sondern wurde auch in der Kategorie der “weniger entwickelten” Länder geführt (in der Türkei gibt es mehr Frauen in Führungspositionen als in Deutschland – mehr hier).

Der Untersuchung zufolge zählen zu den Top-Ten der Länder, in den man am besten Kinder groß ziehen kann, Norwegen (bereits 2011), gefolgt von Island, Schweden, Neuseeland, Dänemark, Finnland, Australien, Belgien, Irland und dem Vereinigten Königreich. Die Türkei hingegen rangiert hinter Brasilien, Israel, Armenien, Tunesien und Bahrain, während sie aber gleichzeitig vor der Algerien, Iran, Aserbaidschan und Marokko liegt.

Hunderttausende Kinder von Hungersnot bedroht

“Save the Children” ist die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt, die sich zum Ziel gesetzt hat das Leben von Kindern und ihre Rechte weltweit zu verbessern. Deutschland liegt im aktuellen Report auf Platz zwölf. Auf der anderen Seite löst Niger in diesem Jahr Afghanistan als Schlusslicht ab. Hierzu informiert die Organisation: “Schlusslicht Niger erlebt derzeit eine sich stetig verschlimmernde Dürre, die das Leben von Hunderttausenden Kindern bedroht. Vier der Länder auf den untersten Plätzen verzeichneten eine Zunahme an Entwicklungsstörungen, hervorgerufen durch chronische Mangelernährung, die die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern dauerhaft beeinträchtigen.” Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland, erklärt dazu weiter: „Der Bericht verdeutlicht die verheerenden Folgen, die chronische Mangelernährung für die Mütter und ihre Kinder hat.” Es bedürfe daher mehr politischen Engagements, um flächendeckend nachhaltige Initiativen zur gesunden Ernährung von Müttern und Säuglingen und letztendlich ihr Überleben zu gewährleisten.

Einfache und kostengünstige Maßnahmen, wie die Bereitstellung von Eisen, Zink und Vitamin A, das ausschließliche Stillen, vollwertige Beikost und verbesserte Hygiene könnten, so heißt es in der dazugehörigen Erklärung weiter, das Leben von Millionen Kindern und Frauen dauerhaft verbessern. Dies betreffe vor allem das kritische Entwicklungsfenster in den ersten 1000 Tagen beginnend ab der Schwangerschaft. Als wichtiger Faktor der Versorgung der Kinder gilt der Organisation das Stillen. „Unser Bericht zeigt“, so Wieland, „dass alleine Muttermilch jährlich eine Million Kinder vor dem Tod bewahren kann. In allen Ländern müssen Richtlinien und Programme eingeführt werden, die Mütter zum Stillen ermutigen und dabei unterstützen.“

Muttertag in der Türkei: Gewalt und ein Einschreiten der Polizei

Unterdessen kam es auch am “Muttertag” in der Türkei zu Fällen von häuslicher Gewalt (auch der Weltfrauentag wurde von einem Mord überschattet – mehr hier). So wandte sich etwa eine Mutter in der zentralanatolischen Provinz Konya hilfesuchend an die Polizei. “Ich habe bereits fünf Mal Beschwerde gegen meinen Ehemann eingereicht und wurde auch schon in einem Frauenhaus untergebracht. Meine Mutter holte mich dort allerdings heraus. Heute schlug er mich wieder”, so die 30-jährige Ceylan Y. gegenüber Reportern. Andererseits kam es im Hauptquartier der Gendarmerie in der westliche Provinz Bursa zu einer historischen Entscheidung, indem man sich auf die kürzlich erlassenen Befugnisse des Ministeriums für Familien-und Sozialpolitik berief. Die Gendarmerie verhängte gegen einen Mann, der seine Frau mit dem Tode bedroht hat, nicht nur eine saftige Geldstrafe, sondern auch auch ein Hausverbot über ganze sechs Monate. Die Entscheidung wurde von einem lokalen Gericht bestätigt.

Hier geht’s zum kompletten Bericht.

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