Fenerbahçe gratuliert Galatasaray: Verein distanziert sich klar von randalierenden Fans

Ein Toter, 47 Festnahmen, immenser Materialschaden: Die Bilanz des vergangenen Meisterschafts-Wochenendes lässt nicht nur türkische Fußball-Fans erschaudern. Der unterlegene Verein Fenerbahçe versucht derweil Haltung zu bewahren und gratuliert Galatasaray zum 18. Titel. Die Gewalt nach einem Spiel missbilligt man entschieden, gibt für die Eskalation teilweise aber auch den Sicherheitskräften die Schuld.

Der Montag „danach“ hatte für Fenerbahçe sicherlich mehr als nur „Katerstimmung“ parat. Nach den kriegsähnlichen Szenen, die via YouTube um die ganze Welt gingen, galt es, das angekratzte Image wieder aufzupolieren. In einer Erklärung distanzierte man sich deshalb klar von den Ausschreitungen, die nach dem Spiel gegen Erzrivale Galatasaray ausgebrochen waren. Der Verein, so heißt es, billige derartige Gewalt auf gar keinen Fall. Vielmehr hätte die Club-Administration in der vergangenen Woche mit aller Macht daran gearbeitet, auch die Fans auf ein „fair play“ einzustimmen (die Galatasaray-Fans mussten das Spiel aus Sicherheitsgründen am heimischen Fernseher verfolgen – mehr hier).

Bemühungen, die bei einigen Anhängern des Clubs offensichtlich ins Leere liefen. Nach dem Schlusspfiff am vergangenen Samstagabend besetzten Hunderte von Fenerbahçe-Fans das Spielfeld im Sukru Saracoglu Stadion in Istanbul. Andere rissen die Plastikstühle auf den Rängen heraus und schleuderten diese und zahlreiche Leuchtgeschosse in Richtung Polizei, die mit ihren Schildern versuchten die Spieler zu schützen. Um der aufgebrachten Fenerbahçe-Fans Herr zu werden, mussten die Sicherheitskräfte zu Pfefferspray greifen. Sie evakuierten das Stadion während sich die Spieler in den Umkleidekabinen verschanzten.

Chaos: Fenerbahçe gibt Polizei und Security Teil-Schuld

In seiner Erklärung machte Fenerbahçe geltend, dass seine Fans Galatasaray während des Spiels Respekt gezollt hätten. Etwas, was das Team während anderer Auswärtsspiele nicht erlebt hätte. Dass es jedoch danach derart ausartete, sei auf einen „kleinen Funken“ zurückzuführen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Einige Fenerbahçe Fans gerieten auch außerhalb des Stadions mit der Polizei aneinander (es kam insgesamt zu 47 Verhaftungen – mehr hier). Einen Wasserwerfer bewarfen sie mit Steinen, warfen zwei Polizeifahrzeuge im Distrikt Kadıkoy um und setzten diese sogar in Brand. Ihren Zorn ließen sie zudem an Mülltonnen aus und zerschmetterten Schaufenster. Sie hinterließen Straßen mit faustgroßen Steinen übersät.

Ali A., ein Augenzeuge, berichtete nach Angaben türkischer Medien, dass eine wütende Gruppe gerufen hätte: „Los lasst uns die Polizisten töten!“ Er hat in der Nähe des Stadions einen kleinen Laden. Von ihm verlangte die Gruppe auch noch ein Messer. „Ich bin hier seit neun Jahren, aber solche Fans habe ich noch nie gesehen. Es war als hätten sie vollkommen den Verstand verloren. Fener-Fans sind so nicht. Das wissen wir Verkäufer hier am besten“, erklärte er.

Einzig seinen Fans will Fenerbahçe das Chaos allerdings nicht anlasten. Ihrer Ansicht nach hätten sowohl die Sicherheitskräfte als auch die Polizei unzureichend auf die Situation reagiert. Die Gründe, warum überhaupt Tränengas eingesetzt und den Fans mit derartiger Härte begegnet wurde, lägen zudem völlig im Dunkeln.

http://www.youtube.com/watch?v=6uPkU9FmMLI

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