Einsame Herzen in der Türkei: Zahl der Alleinlebenden hat sich fast verdoppelt

Die Einsamkeit innerhalb der türkischen Bevölkerung wächst. Wie die jüngsten Daten des Türkischen Statistischen Instituts (TÜİK) zeigen, hat sich die Zahl der Menschen, die allein leben zwischen 2002 und 2010 nahezu verdoppelt.

Laut TÜİK haben im Jahr 2002 665,000 Menschen in der Türkei allein gelebt. Acht Jahre später sah das schon ganz anders aus. 2010 waren 1,141,000 Bürgerinnen und Bürger auf sich selbst gestellt. Wie die Statistik außerdem verrät, leben etwa doppelt so viele Frauen, nämlich 781,000, wie Männer, 359,000, allein. Dieses Verhältnis war allerdings schon vor zehn Jahren alles andere als ausgewogen. Damals betraf das 492.000 Frauen und 172.000 Männer.

Eine echte Zäsur, so fassen die türkischen Medien zusammen, hätte es übrigens im Jahr 2009 gegeben, als die Zahl der Alleinlebenden um satte 46 Prozent anstieg. Insgesamt ist zwischen 2002 und 2010 ein Anstieg der alleinlebenden Männer um 108 Prozent zu verzeichnen. Die Zahl der allein lebenden Frauen stieg hingegen um 58 Prozent (mittlerweile gibt es auch die erste Dating-App – mehr hier).

Single-Lifestyle nimmt auch in der Türkei zu

Darüber hinaus offenbaren die Zahlen jedoch auch ein anderes Problem: Die Daten zeigen, dass 467.000 der allein lebenden Menschen in der Türkei im Alter zwischen 30 und 64 sind, vom Rest sind die meisten über 65 Jahre. Feyza Ak Akyol, Soziologie-Professorin an der Universität von Galatasaray, erklärt diese Entwicklungen vor allem mit einem Phänomen: Scheidungen, so gibt sie an, hätten in der Türkei rapide zugenommen. Im Wesentlichen, führt sie weiter aus, ließen die Ergebnisse nun zwei Schlussfolgerungen zu: „Die Liberalisierung des Einzelnen kann die erste Schlussfolgerung sein. Wie wir sehen, wird der Single-Lifestyle immer häufiger in der Türkei. Dies wird in den kommenden zehn Jahren in den großen Städten noch deutlicher zu Tage treten.“ Darüber hinaus würden laut der Wissenschaftlerin türkische Männer einfach früher sterben als Frauen und Männer in anderen Ländern. „Im weltweiten Durchschnitt sterben Männer fünf Jahre früher als Frauen. In der Türkei sind es sieben Jahre.“ (insgesamt ist der türkische Lebenswandel eher ungesund – mehr hier)

In Deutschland geht der Trend zum Ein-Personen-Haushalt

Für Deutschland zeichnete das Statistische Bundesamt bereits 2011 ein ähnlich düsteres Bild. Bis 2030, so deren Berechnungen, würden 81 Prozent der Haushalte aus nur einer oder zumindest zwei Personen bestehen (2009 lag ihr Anteil bereits bei 74 Prozent). Das Familienmodell rücke im laufe der kommenden Jahre hingegen immer mehr in den Hintergrund. Familien mit Kindern? Eine Konstellation, die bis 2030 immer seltener und de facto um ein Viertel im Vergleich zu heute zurückgehen werde. Warum Menschen hierzulande alleine leben, das wurde ebenfalls von Oktober bis November 2009 untersucht. Damals befragte das Portal „ElitePartner.de“ 9.669 Personen ab 18 Jahren im deutschsprachigen Raum online, warum sie ihrer Meinung nach Single seien. Hohe Ansprüche an den Partner, aber auch Angst vor Verlust der eigenen Unabhängigkeit wurden hier von beiden Geschlechtern vermehrt angeführt. Fast ebenso ausschlaggebend erschien dabei aber auch der Faktor „fehlende Zeit“ für die Partnersuche sowie die mangelnde Bereitschaft eine neue Bindung einzugehen.

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