Orhan Pamuk: „Die EU hat die Herzen vieler Türken gebrochen“

Viele Türken haben fest an die EU geglaubt, doch in den vergangenen Jahren hätten sie diesen Glauben verloren, sagt Orhan Pamuk. Der türkische Nobelpreisträger erhält in diesem Jahr die höchste dänische Kultur-Auszeichung, den Sonning-Preis.

Die negativen Aussagen von Angela Merkel und Sarkozy sowie die Finanzkrise – all das habe dazu geführt, dass „die Umsetzung einer türkischen EU-Perspektive immer schwieriger wurde“, erklärt Pamuk der spanischen Zeitung El Pais. Auch er ist enttäuscht von diesem Verhalten. „Ich rege mich nicht mehr darüber auf“, sagt Pamuk, „denn die Türkei orientiert sich nicht mehr an der EU“.

Der wirtschaftliche Aufschwung sei der Grund dafür, dass viele die EU nicht mehr als notwendiges Ziel sehen. „Europa bleibt ein Traum für die Oberschicht, aber durch den Wirtschaftsboom hat das Ziel seinen Reiz verloren“, glaubt er (viele Politiker glauben nun, dass die EU die Türkei wegen ihrer wachsenden Wirtschaft brauche – mehr hier).

Konkurrenz für Istanbuler Elite: „Es entsteht ein neues Bürgertum in Anatolien“

Die Türkei ist im Wandel. In Anatolien entstehe ein neues Bürgertum und Wohlstand sei seit dem Wirtschaftsaufschwung längst nicht mehr auf die Metropole Istanbul beschränkt. „Es entsteht ein neues Bürgertum in Anatolien, das konservativ ist und die AKP unterstützt. Das beunruhigt die Istanbuler Elite“, so Pamuk. Die derzeitige Regierung habe die Türkei „reicher und erfolgreicher“ gemacht.

Nach wie vor sei das größte Problem der Türkei die Kurden-Frage. Pamuk erklärt: „Die Regierung weiß nicht, wie sie damit auf tolerante Art und Weise umgehen soll. Sie nutzen immer noch die alten Wege, um das Problem loszuwerden“.

Als erster türkischer Autor erhielt Pamuk 2006 den Nobelpreis für Literatur (in Istanbul eröffnete er vo kurzem sein „Museum der Unschulde“ – mehr hier). Am 26. Oktober wird ihm nun in Dänemark der Sonning-Preis überreicht. Seine Bücher wurden in 35 Sprachen übersetzt.

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