Nach den Ausschreitungen: 47 Fenerbahçe-Fans wieder auf freiem Fuß, einer geht ins Gefängnis

Drei Tage nach den schweren Ausschreitung rund um das Meisterschaftsspiel Fenerbahçe gegen Galatasaray hat das Gericht im Istanbuler Bezirk Kadıköy 47 Fenerbahçe-Fans wieder auf freien Fuß gesetzt. Eine Person, so befand der Richter am vergangenen Dienstag, muss ins Gefängnis.

Einem der Inhaftierten, Tunahan İ., wird vorgeworfen einen Molotow-Cocktail auf ein Polizeifahrzeug an einer Tankstelle außerhalb des Fenerbahçe Şükrü Saraçoğlu Stadions geschleudert zu haben. Er sitzt mittlerweile im Maltepe Gefängnis ein. Die anderen freigelassenen Fans wurden außerhalb des Gerichtsgebäudes von ihren Familien empfangen. Erneut ertönten Sprechchöre für Fenerbahçe.

Während der schweren Ausschreitungen am vergangenen Samstag war die Polizei gezwungen, Tränengas einzusetzen, um Fans, die sich in und um das Stadion verteilt hatten, in Schach zu halten. Insgesamt 36 Personen sollen bei den Zusammenstößen verletzt worden sein. Die Polizei berichtete auch, dass neun Polizeiautos beschädigt wurden, daneben wurden sechs Rettungswagen demoliert. Aktuell überprüfen mehrere Einheiten der Istanbuler Polizei das Videomaterial der Auseinandersetzungen.

Recep Tayyip Erdoğan: Hooligans verwandeln Fußballfelder in Plätze des Terrors

Zu gewalttätigen Zwischenfällen kam es aber nicht nur in Istanbul, sondern in vielen anderen türkischen Städten. Die Polizei in der Provinz Izmit nahm 17 Personen fest. In Kayseri wurden zwölf Personen verletzt. In Görele starb ein 40-Jähriger.

Unterdessen hat sich auch der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan zu Wort gemeldet. Er vertritt, so berichten die türkischen Medien, die Ansicht, dass die Verantwortung für die jüngsten Gewalttätigkeiten und Auseinandersetzungen in Folge von Fußballspielen nicht allein den Fans anzulasten sei. „Dieses Jahr wird als eine Saison von Gewalt und Auseinandersetzungen im Gedächtnis bleiben“, so der Erdoğan. „Vor allem in den letzten Spielen kam es zu Vorfällen auf und abseits des Spielfeldes, die wir niemals akzeptieren können. Niemand kann sich hier der Verantwortung entziehen und dem anderen den Schwarzen Peter zuschieben. Das Rowdytum ist unter uns geraten. Diese Hooligans verwandeln Fußballfelder in Plätze des Terrors. Ich nenne hier keine Club-Namen. Doch leider haben die meisten der Clubs Hooligans unter ihren Fans.“ (auch Fenerbahçe vertritt die Ansicht, dass die Polizei und die Sicherheitskräfte zu hart vorgegangen sind – mehr hier).

Den Pokal im Umkleideraum überreichen? Nein!

Die Ausschreitungen im Stadion haben am vergangenen Samstag auch dazu geführt, dass Galatasaray seinen Pokal quasi im Dunkeln in Empfang nehmen musste. Die Verwaltung von Fenerbahçe hatte vorgeschlagen, ihn in der Umkleidekabine zu überreichen und das Flutlicht ausgeschaltet. Schließlich kamen die Galatasaray-Spieler (auf Geheiß Erdoğans – mehr hier) aber doch auf das Feld zurück und nahmen ihre Trophäe vor zahlreichen Fernsehkameras in Empfang. Wie Erdoğan am vergangenen Dienstag im Parlament weiter ausführte, sei auch das eine Sache gewesen, die seiner Meinung nach gar nicht anders gegangen wäre. Den Pokal im Umkleideraum überreichen? Das wäre nicht in Frage gekommen. So etwas wie am vergangenen Wochenende, das wurde aus seinen Worten schnell deutlich, wolle er jedenfalls nie wieder erleben.

Dunkel soll es übrigens am Ende gar nicht gewesen sein. Wie Fenerbahçe in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung behauptet, hätte man zur Verleihung das Licht durchaus wieder angeschaltet. Berichte, die Gegenteiliges behaupten würden, seien ziemlich traurig. Es habe durchaus widersprüchliche Meinungen gegeben, ob die Verleihung tatsächlich auf dem Spielfeld stattfinden sollte und man habe das Licht gemäß gemäß den Regularien nach dem Spiel ausgeschaltet. Wie der Club nun auf seine Behauptung kommt, das Licht sei angewesen, erscheint unklar. Immerhin sind die Bilder des Ereignisses für Jedermann zugänglich. Nach Angaben einiger Beobachter hätte Fenerbahçe einige Lichter im Stadion wieder eingeschaltet. Sie glauben, dass sich der Verein nun darauf bezogen habe.

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