Alkoholverbot in Afyonkarahisar: Behörden sprechen erste Bußgelder aus

Seit vergangenen Sonntag, den 13. Mai 2012, ist es nun tatsächlich in Kraft: Das umstrittene Alkoholverbot in Afyonkarahisar. Am 24. April erging durch das Büro des Gouverneurs der Beschluss, den Konsum und den Verkauf von Alkohol an öffentlichen Plätzen massiv zu beschränken. Jetzt wird durchgegriffen.

Allein am gestrigen Dienstag, so berichten die türkischen Medien, hätten die Vollzugsbeamten gegen 25 Personen ein Bußgeld über 169 Lira ausgesprochen, weil sie gegen die neuen Regelungen verstoßen hätten. Die Beamten setzen damit die Ankündigung des stellvertretenden Polizeichefs von Afyon, Kasım Korkut, um, der noch einmal deutlich machte, dass das Verbot eisern und kompromisslos durchgesetzt werden würde.

Auf der anderen Seite gab es mittlerweile jedoch auch schon eine Lockerung. Wie der hiesige Gouverneur, İrfan Balkanlıoğlu, bekannt gab, seien Picknick-Plätze von der Liste öffentlicher Orte, an denen nicht getrunken werden dürfe, wieder gestrichen worden. Angeblich, so gibt Balkanlıoğlu an, habe er diese schon früher ausgeschlossen, sie seien dann aber versehentlich aufgenommen worden.

Verwirrung um Alkoholverbot. Freie Orte sind immer noch frei

„Es gab die Auffassung, dass Alkohol überall verboten wäre. Es gibt kein solches Gesetz. Der Konsum von Alkohol ist in lizenzierten und in geschlossenen Räumen nicht verboten. Überall dort, wo der Konsum von Alkohol gewöhnlich frei war, ist er es immer noch“, stellt Balkanlıoğlu noch einmal heraus.

Begründet wird die rigide Vorgehensweise in Afyonkarahisar vom Büro des Gouverneurs mit Kriminalprävention, alkoholbedingten Verkehrsunfällen und der Erhaltung der öffentlichen Ordnung. Vor allem der Alkoholkonsum in privaten Autos war mit der Zeit zu einem wirklich gefährlichen Problem avanciert. Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg an (ein Problem, das übrigens in der gesamten Türkei vorherrscht – mehr hier). Zudem sorgten Bürgerinnen und Bürger, die öffentlich Alkohol konsumierten, zunehmend für Störungen. Verstanden wurde die Argumentation jedoch nicht von allen. Kritiker bemängelten, dass auf diese Art alle Alkoholkonsumenten in einen Topf geworfen werden würden. Es gab auch Sorgen, dass weitere, striktere Verbote folgen könnten, die die freie Entfaltung weiter einschränken würden (ganz im Sinne der AKP-Regierung, wie die Opposition vermutet – mehr hier).

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