„Der Islam gehört dazu“: Merkels Bekenntnis bleibt unbeachtet

Merkel erklärt, der Islam gehöre zu Deutschland. Anders als bei Wulff und Kauder führte das Anfang der Woche nicht zu ausgiebigen Debatten. Doch die Politik könnte sich das ganze Thema sparen, wenn man Muslime als das wahrnehmen würde, was sie sind, nämlich als Deutsche.

Wulffs Satz: „Der Islam gehört zu Deutschland“, wird wohl auch noch Jahre später Grund für viele Diskussionen sein (auch Gauck wurde daran gemessen – mehr hier). Dagegen blieb Angela Merkels Bekenntnis zum Islam an einer deutschen Schule in dieser Woche auffällig unbemerkt. Abseits politischer Debatten sagte sie den Kindern an einer Berliner Oberschule: „Die Muslime gehören heute zu unserer Lebenswelt dazu“, wie die Zeit berichtete. Es sei mittlerweile auch eine Tatsache, dass zahlreiche Muslime Deutsche seien. „Deshalb gehört der Islam eben heute dazu“, so Merkel weiter.

Doch so ließ sie den Satz dann doch nicht stehen und relativierte im Folgenden. Die christlich-jüdische Tradition sei in den vergangenen Jahrhunderten nunmal viel stärker gewesen. Trotzdem sei es falsch zu sagen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Damit widerspricht sie ganz klar ihrem Parteikollegen Volker Kauder, der im April erklärt hatte: „Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehört somit nicht zu Deutschland“ (er äußerte das pünktlich zur Islamkonferenz – mehr hier). 2010 hatte die Kanzlerin bereits Wulffs Erklärung, der Islam gehöre zu Deutschland, bekräftigt. Während die Politiker noch über die Feinheiten der Zugehörigkeit einer Religion oder der Anhänger dieser diskutieren, dürften sich die Muslime in Deutschland davon wenig angesprochen fühlen. Einfacher wäre es, wenn auch die Politik sie als das wahrnimmt, was sie sind: deutsche Bürger.

Mehr zum Thema:

Wohin steuert die Islamkonferenz?
Bundespräsident: Deutsch-Türken wünschen sich zweiten Wulff
Islamdebatte: Horror-Studie entpuppt sich als differenzierter Bericht

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.