Bohrprojekte vor Griechisch-Zypern: Türkei droht Unternehmen mit Repressalien

Die Türkei hat an diesem Freitag denjenigen Unternehmen mit Repressalien gedroht, die sich an einem Bieterverfahren für Öl- und Gas-Bohrprojekte vor Griechisch-Zypern, dessen Regierung von Ankara nicht anerkannt wird, beteiligen.

„Diejenigen Unternehmen (…), die mit der GKRY [der griechisch-zypriotischen Verwaltung] kooperieren, werden in Zukunft nicht in Energieprojekte der Türkei aufgenommen“, zitieren die türkischen Medien eine vom Außenministerium als Email versandten Erklärung.

Die Warnung der Türkei kommt, nachdem Griechisch-Zypern bekannt gegeben hatte, dass in einer zweiten Runde der Lizenzvergabe trotz starker Einwände aus der Türkei insgesamt 29 Unternehmen 15 Angebote für Erkundungsbohrungen der Offshore-Öl-und Gasvorkommen abgegeben hätten. Eine endgültige Entscheidung hinsichtlich der Angebote, die zwölf der insgesamt 13 Blöcke betreffen, wird in den nächsten sechs Monaten durch das griechisch-zypriotische Kabinett erwartet.

Noble Energy entdeckt 2011 riesige Gasreserven

Wie das US-Unternehmen Noble Energy, dem der verbleibende Block zugesprochen wurde, bereits im vergangenen Jahr mitteilte, hätte es Gasreserven von bis zu 226 Milliarden Kubikmetern mit einem geschätzten Wert von 100 Milliarden Euro entdeckt. Diese Menge würde genügen, um die Gas-Nachfrage der Insel für die nächsten Jahrzehnte abzudecken. Die Türkei hatte mit Nachdruck gegen die griechisch-zypriotische Regierung und deren Suche nach Öl-und Gasvorkommen protestiert (Ende April wurde angekündigt, dass man sein eigenes Forschungsschiff bauen wolle – mehr hier). Man ist der Ansicht, dass die Erkundungsbohrungen eine Verletzung der Rechte der Türkisch-Zyprioten an diesen Ressourcen darstellen würden. Die Konsequenz: Die Türkei unternahm eigene Erkundungsbohrungen (die „Piri Reis“ sorgte darauf hin für politische Spannungen – mehr hier). Nachdem die „Piri Reis“ Ende September 2011 ausgelaufen war, entsandte der türkische Energieminister Taner Yıldız noch zwei weitere Forschungsschiffe (der Minister hielt sich über die Identität eines zweiten Schiffes allerdings bedeckt – mehr hier). Nun betont das Außenministerium noch einmal: „Beide Teile müssen gemeinsam entscheiden, wie maritime Erdgas- und Erdöl-Ressourcen verwendet werden.“

Seegebiet: Türkei will keinerlei Aktivitäten zulassen

Unter den aktuellen Bietern befinden sind, wie die „Zaman“ derzeit berichtet, der französische Öl-Magnat „Total“, das malayische Unternehmen „Petronas“, „Kogas“ aus Korea, das italienische Unternehmen „Eni“, „Novatek“ aus Russland, „Delek“ aus Israel sowie die australische „Woodside Energy Holdings“. Nach Ansicht von Griechisch-Zypern sind die Bohrungen völlig legitim. Von seinen Partnern in der Europäischen Union habe man bereits Rückendeckung in dieser Sache erhalten. Das Interesse der Bieter liegt diesmal vor allem auf einem Block im Nordosten der jüngsten Entdeckungen – an der Seegrenze zwischen Zypern und Israel. Die Türkei ist der Ansicht, dass dort Hoheitsrechte verletzt würden und eklärt: „Wie die Türkei bereits erwähnt hat, wird man dort keinerlei Aktivitäten zulassen.“ (nicht nur Außenministser Ahmet Davutoglu erklärte immer wieder, die Ressourcen gehörten allen Zyprioten – mehr hier).

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