Israel dementiert Truppenentsendung nach Zypern

Israel habe vor, im Rahmen der Energie-Kooperation mit Zypern und Griechenland 20.000 Soldaten auf die Insel zu schicken. Das berichteten türkische Medien am vergangenen Wochenende. Dabei handele es sich allerdings um eine Falschmeldung, betont nun das israelische Außenministerium. Die Vorwürfe seien „unbegründet und realitätsfern“.

Israel wolle 20.000 Soldaten nach Zypern schicken, um die Sicherheit bei Gasbohrungen, die im Rahmen einer Kooperation zwischen Israel und Zypern stattfinden, zu sichern. Das berichteten türkische Medien am Sonntag. Israel dementierte jetzt die Truppenentsendung. In einer schriftlichen Stellungnahme wies das Außenministerium die Vorwürfe als „unbegründet und realitätsfern“ zurück. Israel, so wird herausgestellt, hätte in seiner Geschichte noch nie Truppen in andere Länder entsendet. Stattdessen müsse man sich fragen, warum gerade die Anatolia Nachrichtenagentur diese Nachricht als einzige Agentur melde.

Mitte Februar hatten sich der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und der Präsident der Republik Zypern Demetris Christofias getroffen, um über die Erschließung von Gasreserven vor der zypriotischen Küsten zu beraten. Das Gespräch fand hinter verschlossen Türen statt. Aus griechisch-zypriotischen Regierungskreisen wurde jedoch jüngst vernommen, dass Israel Truppen nach Zypern entsenden wolle.

Bauarbeiter und Familien: Schutz durch Soldaten

Hintergrund ist die Kooperation von Israel und Griechenland zur Erschließung von Gasvorkommen an der griechisch-zypriotischen Küste. Israel sei bereit, die vollen Kosten für den Bau des Gasterminals zu tragen, stelle jedoch die Bedingung, dass die hierfür erforderlichen 10.000 Arbeiter ausschließlich israelische Staatsbürger sein dürften, heißt es in dem Bericht der Anatolia Nachrichtengentur, die sich auf anonyme Quellen in der zypriotischen Regierung beruft.

Die Bauarbeiter, deren Familienangehörige und die Pipeline sollten zudem von 20.000 israelischen Soldaten geschützt werden. Zum Vergleich: Die Zyprische Nationalgarde selbst umfasst rund 14.500 Soldaten. Die Zahl israelischer Staatsbürger in der griechisch-zyprischen Hafenstadt Limassol würde somit zeitweilig auf bis zu 50.000 Personen ansteigen. Israel betont allerdings, dass diese Meldung nicht der Wahrheit entspräche.

Der von den türkischen Medien zitierte Regierungsbeamte ist allerdings der Ansicht, Israel sei nicht nur an der Sicherheit der Arbeiter interessiert.„Gibst du Israel einen einzigen Finger, reißt Israel dir den ganzen Arm ab. Israel möchte hierher kommen, um zu bleiben und will niemals zurückkehren“, erklärte er.

Diese Entwicklungen dürften die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Israel und der Türkei erneut verschärfen. Zuletzt vertrieben türkische Kampfjets vom Typ F-16 am vergangenen Montag ein israelisches Militärflugzeug, das in den nordzypriotischen Luftraum eingedrungen sein soll.

Die Türkei sieht in der Kooperation von Zypern, Israel und Griechenland eine Verletzung der Rechte der Türkisch-Zyprioten. Stattdessen sollten die Gasvorkommen gemeinsam von griechischen und türkischen Zyprioten erschlossen werden. Am Freitag drohte die Türkei Unternehmen, die sich an den Bohrungen beteiligen würden, mit Repressalien (mehr hier).

Griechenland kann Vorhaben nur mit externer Hilfe stemmen

Griechenland ist unterdessen auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Das in der Wirtschaftskrise steckende Land kann die zehn Milliarden US-Dollar, die für den Bau des Gasterminals benötigt werden, nicht selbst aufbringen, muss in Krisenzeiten aber auch alle ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen ausnutzen (auch den zwischenzeitlich wieder verbesserten griechisch-türkischen Beziehungen dürfte das allerdings nicht zu Gute kommen – mehr hier).

Außerdem ist zweifelhaft, ob die Gasvorkommen ausreichen können, Griechenlands wirtschaftliche Probleme zu lösen. In der Vergangenheit fielen nämlich die tatsächlich förderbaren Mengen von angekündigten riesigen Gas- und Ölfunden allzu oft deutlich geringer aus.

Israel und die EU zählen dennoch auf die Gasfunde. Die Kooperation mit Zypern stellt für Israel nach den Zerwürfnissen mit der Türkei einen wichtigen neuen Bündnispartner in der Region dar, während sich die EU stärkere Unabhängigkeit von der russischen Gaslieferung erhofft.

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