Türkische Familienministerin Şahin: Ehekurse sollen Scheidungsrate senken

Die Scheidungsrate in der Türkei wächst rasant. Dem will nun die Politik entgegenwirken. Mit vorehelichen Seminaren soll nach Ansicht von Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin die Institution Ehe wieder gestärkt werden.

Im Rahmen eines Symposiums in Istanbul mit dem Titel „Unsere Familie in einer sich verändernden Welt“ zitierte Familienministerin Şahin eine Untersuchung, die besagt, dass nur gut zehn Prozent der geschiedenen Paare wieder heiraten. „Das zeigt“, so die Ministerin, „dass die Paare sich scheiden lassen ohne ihre Ehe vorher noch einmal zu überdenken.“

Dieser Entwicklung will sie nun etwas entgegensetzen. Bereits in zwei Wochen, so Şahin, soll in Ankara ein Pilotprojet starten. Im Rahmen dieses Kurses soll für die Paare der Grundstein gelegt werden, um die Erwartungen des anderen an eine Ehe besser kennen zu lernen und auch damit umzugehen (häufig wurde Gleichgültigkeit des Ehepartners als Trennungsgrund angegeben – mehr hier).

Şahin: Eine stärkere Frau stärkt auch die Familie

„Unsere größte Aufgabe ist es die Globalisierung um unser selbst willen zu bewältigen. Wenn eine Frau stärker wird, stärkt das auch die Familie. Das müssen wir akzeptieren“, stellt Şahin heraus. In diesem Zusammenhang sprach sie auch die Schwierigkeiten an, die sie bei der Vorbereitung des türkischen Anti-Gewalt Gesetzes für Frauen erfahren hatte (Anfang März hat das türkische Parlament ein Gesetz zum Schutz der Frau verabschiedet – mehr hier). „Es wurde kritisiert, dass wir die Werte der Familie erschüttern würden, wenn wir eine Politik verfolgten, die auf der Macht von Frauen beruhe. Und als wir die Stärkung der Struktur der Familie verfolgten, schimpften einige, dass wir die Stellung der Frau erschüttern würden… Wir müssen beides integrieren“, so Sahin.

Laut Umfragen, fährt sie fort, fühlten sich überdies 80 Prozent der türkischen Gesellschaft durch TV-Programme verärgert, die die Werte der Familie beschädigen würden. Allerdings hätten nur 2,5 Prozent Beschwerde bei der türkischen Radio- und Fernsehanstalt (RTÜK) eingereicht. Şahin ist der Ansicht, dass die Menschen aktiv werden müssen, wenn sie sich angegriffen fühlen und vor allem aufhören sollten, derartige Sendungen zu sehen, um deren Einschaltquoten nach unten zu drücken (andererseit wird eine türkische Serie in den USA sogar als Therapie-Mittel eingesetzt – mehr hier).

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