Schlag gegen Aytek Şermet: Türkische Musiker boykottieren Istanbul Jazz Center

Wer nicht zahlt, hat später den Schaden: In einer schriftlichen Erklärung haben türkische Musiker jetzt ihren Boykott des Istanbul Jazz Center, einer der bekanntesten Locations der hiesigen Jazz-Szene, verkündet. Sie erwarten vom Eigentümer des Veranstaltungsortes Aytek Şermet eine Entschuldigung.

Die Erklärung, so berichten die türkischen Medien, ist im Namen der Vereinigung unabhängiger Musiker und Produzenten erfolgt, die sich erst im vergangenen Februar aus einer Reihe von Jazz-Musikern formiert hatte. In ihrem Schreiben verurteilen sie sowohl das Istanbul Jazz Center als auch Inhaber Şermet wegen eines angeblich gewaltsamen Vorgehens gegen den jungen Musiker Uraz Kıvaner. Zu den bekannten Unterzeichnern aus der türkischen Musikszene gehören auch Kerem Görsev, İlhan Erşahin, Jehan Barbur und Demirhan Baylan (die türkische Sängerin Sezen Aksu fordert Vielfalt auch in der Verfassung – mehr hier).

Aytek Şermet greift Uraz Kıvaner tätlich an

Wo was war eigentlich genau passiert? Laut „Hürriyet“-Redakteur Barış Akpolat, der den Fall am 19. Mai in seiner Kolummne aufgriff, habe Şermet vor gut einem Monat nur die Hälfte der eigentlich vereinbarten Konzert-Gage an Kıvaner ausbezahlt. Während des Soundchecks für den nächsten Gig erinnerte Kıvaner den Inhaber des Jazz Centers an das noch immer ausstehende Geld, woraufhin Şermet ihn tätlich angegriffen haben soll.

Wie Akpolat weiter schreibt, soll Şermet in Geld-Angelegenheiten alles andere als ein unbeschriebenes Blatt sein. So habe zuvor bereits der US-Jazz-Bassist Buster Williams behauptet, dort aufgetreten zu sein, dafür aber keine Gage erhalten zu haben. Auf seiner Internetseite habe er deshalb gewarnt: „Falls du nach Istanbul gehst, um mit Sermet zu arbeiten, überlege dir das zweimal.“ Und auch er soll kein Einzelfall gewesen sein. Wie Kıvaner behauptet, hätten gleich eine ganze Reihe ausländischer Jazzmusiker kein Geld von Şermet erhalten. Dem aber nicht genug: „Alle türkischen Jazzmusiker haben Probleme mit ihm. Ich weiß nicht, wer dort spielt“, sagt er (Fazil Say rügte derweil Erdogan, der noch nie in einem Konzert oder in der Oper war – mehr hier).

Istanbul Jazz Center: Nach zwei guten Jahren der Abstieg

Mittlerweile hat sich auch der einstige Tontechniker des Hauses, Burçak Çağdaş, der den Veranstaltungsort vor einiger Zeit verlassen hat, gegenüber der „Hürriyet“ zu Wort gemeldet. „Die ersten zwei Jahre waren sehr gut, das Geld wurde pünktlich bezahlt. Später sind jedoch der erste Partner Süha Kurultay und ein weiterer Partner, der Pianist Kerem Görsev gegangen. Ich selbst habe zwei Klagen gegen Sermet laufen.“ Eine drehe sich um den Betrug seiner Versicherung. Die andere befasse sich mit unbezahlten Vergütungen und Gehältern. „Er schuldet mir 30.000 türkische Lira.“

Natürlich hat die Zeitung versucht auch Şermet zu kontaktieren. Allerdings ohne Erfolg.

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